Newsletter der Österreichischen Gesellschaft für Senologie

Sehr geehrte Mitglieder der ÖGS!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich freue mich, dass es gelungen ist, die Idee einer regelmäßigen Information in Form dieses Newsletters an alle Mitglieder unserer Gesellschaft zu reaktivieren.

Die Österreichische Gesellschaft für Senologie hat ihre ganz besondere Stärke in der Interdisziplinarität. Die Informationsflut ist mittlerweile so groß, dass niemand mehr in der Lage ist, sich alle nötigen Informationen selbst zu erarbeiten. Aufgrund unserer Interdisziplinarität, die schon lange Tradition hat, können wir aktuelle Informationen und News füreinander aufbereiten und austauschen.

In diesem Newsletter finden Sie aktuelle fachliche Informationen. Mehrere KollegInnen, die Gelegenheit hatten, an der gemeinsamen Jahrestagung mit der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie teilzunehmen, haben sich bereit erklärt, interessante Themen und Highlights der Tagung für Sie aufzubereiten und in kurzer und übersichtlicher Form darzustellen. 

Darüber hinaus berichten wir über unsere unlängst abgehaltene Pressekonferenz zum Dauerthema Mammographiescreening und die Reaktionen darauf. Ein Bericht unseres Pastpräsidenten Doz. Rupert Koller gibt einen Rückblick über die Aktivitäten der letzten beiden Jahre.

Bitte merken Sie sich jetzt schon den Termin für den 14. Internationalen Maritimen Kongress für Senologie vor, der von 10. bis 16. Mai 2015 in Belek/Türkei stattfinden wird. Eine Einladung zum Kongress finden Sie am Ende dieses Newsletters.

Um Sie laufend auf dem aktuellsten Stand für News, Veranstaltungen und andere Themen zu halten, erlaube ich mir, Sie auf die Homepage unserer Gesellschaft zu verweisen. Sie finden diese unter www.senologie.at.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen unseres Newsletters!

Ihre

Angelika Reiner
Präsidentin

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Inhalt

  1. Rückblick von Pastpräsident Prim. Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller
  2. Bericht von der Pressekonferenz „Mammographiescreening: Mythen, Fakten und Ängste“ am 18.9.2014 in Wien (A. Reiner)
  3. Berichte von der gemeinsamen Jahrestagung mit der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie (11.-12.9.2014, Lugano)
    • Gemeinsame Jahrestagung – Lugano, immer eine Reise wert (R. Koller)
    • Mammographiescreening in Österreich und der Schweiz (M. Stierer)
    • Ki67 als Marker der proliferativen Aktivität des Mammakarzinoms (A. Reiner)
    • Strahlentherapie (A. Resch)
  4. Einladung zum 14. Internationalen Maritimen Kongress für Senologie, 10.-16.5.2015, Belek/Türkei (C. Singer)

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1. Rückblick von Pastpräsident Prim. Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller

Resümee der Präsidentschaft

Sehr geehrte Mitglieder der ÖGS!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Am 12. September konnte ich die Agenden der Präsidentschaft der ÖGS in die bereits einmal in dieser Funktion bewährten Hände von Prim. Prof. Dr. Angelika Reiner übertragen. Für mich ist damit eine ausnehmend spannende und fachlich sowie intellektuell bereichernde Zeit meines Berufslebens zu Ende gegangen, ist doch die ÖGS als interdisziplinäre Gesellschaft schon allein durch den Input vieler hervorragender aber verschiedener FachvertreterInnen für den Präsidenten einerseits eine stetige diplomatische Herausforderung, andererseits aber ein unschätzbares Medium persönlicher Horizonterweiterung. Ich habe in den zwei Jahren meiner Amtszeit versucht, den von meinen Vorgängern eingeschlagenen Weg fortzusetzen, konkret, die ÖGS nicht nur als wissenschaftliche Gesellschaft zu sehen, sondern auch als Expertenmedium und Ansprechpartner für GesundheitspolitikerInnen und Medien zu positionieren. Die beiden Pressekonferenzen zu den Themen „familiärer Brustkrebs“ und „Mammographiescreening“ fanden ein großes Publikum und entsprechendes Echo in Print- aber auch Rundfunkmedien. Die Adaptation des Mammographiescreenings im Frühjahr 2014 fand nicht nur, aber auch auf stetiges Drängen der ÖGS bei den entsprechenden politischen Instanzen statt.

Dem wissenschaftlichen Auftrag der ÖGS ist durch die Abhaltung zweier Jahrestagungen, 2013 in Velden und 2014 gemeinsam mit den Schweizer KollegInnen in Lugano/Tessin, sowie einem hochkarätigen mediterranen Kongress im Mai 2013 in Belek/Türkei nachhaltig Rechnung getragen worden.

Mein großer Dank gilt den VorstandskollegInnen und Frau Knob vom ÖGS Sekretariat, die mich in den letzten beiden Jahren nach Kräften unterstützt haben, sodass es für mich niemals eine Last, sondern ein stetiges Vergnügen war, die Gesellschaft zu repräsentieren. Ich freue mich auf meine neue Aufgabe als Past Präsident und die Möglichkeit, mich weiter aktiv in die ÖGS einbringen zu können.

Ihr

Rupert Koller

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2. Bericht von der Pressekonferenz am 18. September: Mammographiescreening: Mythen, Fakten und Ängste und Präsentation neuester Erkenntnisse zum Thema „Brustkrebs der jungen Frau“

Prim. Univ.-Prof. Dr. Angelika Reiner

Die Pressekonferenz fand am 18.9.2014 im Billrothhaus der Gesellschaft der Ärzte in Wien in einem äußerst angenehmen und freundschaftlichen Klima statt. Als Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Senologie waren neben mir Doz. Rupert Koller, Prof. Alexandra Resch, Prof. Michael F.X. Gnant und Doz. Michael Medl als niedergelassener Gynäkologe beteiligt. Alle Beiträge waren sehr gut vorgetragen und informativ. Besonders die sachliche Information mit dem Bericht von wissenschaftlichen Fakten wurde sehr begrüßt. Prof. Resch konnte bereits erste aktuelle Zahlen zur Teilnahme am Mammographiescreening-Programm berichten. Frau Dr. Bernhard, die medizinisch Verantwortliche für das Programm, war ebenfalls anwesend und berichtete über eine bevorstehende Informationskampagne über das Programm.

Von Seiten der Presse folgten knapp 15 Journalisten unserer Einladung. Vertreten waren sowohl Tageszeitungen als auch medizinisch populäre Journale, der ORF und die APA. Die lebhafte Diskussion mit zahlreichen Fragen der anwesenden Journalisten zeigte, dass objektiver Informationsbedarf auch für Journalisten, die sich schon mit dem Mammographiescreening beschäftigt haben, weiterhin besteht.

Die Resonanz in den Medien war ausgesprochen gut. Besonders hervorzuheben sind große, ausführliche Artikel in der Wiener Zeitung (19.9.), dem Kurier (24.9.), der Ärzte Krone (27.9.) und der Medical Tribune (9.10.) sowie ein Beitrag im Ö1-Magazin „Wissen aktuell“. Darüber hinaus berichteten zahlreiche weitere Medien wie Der Standard (online), Kronenzeitung, Tiroler Tageszeitung (online), Neues Volksblatt, Oberösterreichische Nachrichten, Ärztemagazin u.a. über die Inhalte der Pressekonferenz und zitierten durchwegs ExpertInnen der ÖGS.

Sowohl den Pressetext wie auch den aktuellen Stand der Presse-Clippings finden Sie auf unserer Website unter: http://www.senologie.at/aktuelles/pressekonferenz-der-oegs-mammographiescreening-mythen-fakten-aengste-

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3. Berichte von der gemeinsamen Jahrestagung mit der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie (11.-12.9.2014, Lugano)

Gemeinsame Jahrestagung – Lugano, immer eine Reise wert

Prim. Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller

Am 11. und 12. September fand in Lugano, der größten Stadt des Tessins, die lange geplante gemeinsame Jahrestagung der Schweizerischen und der Österreichischen Gesellschaften für Senologie statt. Die herrliche Verbindung von Gebirgs- und Seenlandschaft der italienischen Schweiz in Kombination mit prachtvollem Spätsommerwetter bot den über 200 TeilnehmerInnen einen großartigen Rahmen für multinationalen und multikulturellen Austausch des senologischen Wissens. Vereinbarungsgemäß waren alle Sitzungen sowohl hinsichtlich der Vorsitze als auch Vortragenden zur Hälfte von VertreterInnen der ÖGS besetzt. Dennoch boten die wissenschaftlichen Diskurse ein sehr einheitliches Bild, da sich die Schweiz und Österreich, was den Zugang zur Diagnostik und Behandlung des Mammakarzinoms betrifft, sehr ähneln. Auffallend war für uns Österreicher allerdings die in manchen Belangen, bedingt durch den starken Föderalismus der Schweiz, uneinheitliche Vorgangsweise, die sich beispielsweise darin manifestiert, dass der Zugang zu Screeningprogrammen nicht national, sondern kantonal geregelt ist, und es einen Unterschied macht, ob man in Zürich oder im 60km entfernten St. Gallen zu Hause ist.

Traditionell wurde ein breites Spektrum an interdisziplinären Themen abgehandelt, sodass sich ein intensiver Gedankenaustausch ergab, der für die VertreterInnen beider Fachgesellschaften überaus bereichernd war. Nur als Beispiel sollen hier neue Aspekte der Behandlung der Axilla, neue rekonstruktive Methoden, Aktuelles zu genomischen Untersuchungen oder eine Sitzung zum Mammakarzinom der jungen Frau erwähnt werden. Genauso wichtig waren aber auch die zahlreichen persönlichen Begegnungen mit den Schweizer Kolleginnen und Kollegen, die für machen von uns einen ebenso bleibenden Eindruck wie der medizinischen Gedankenaustausch hinterließen.

Unser spezieller Dank gilt dem Präsidenten und dem Sekretär der SGS, Carsten Viehl und Walter Weber, sowie dem Kongresspräsidenten Alberto Costa, die uns stets nicht nur als Ko-Organisatoren, sondern als Freunde entgegen getreten sind und auf diese Weise zu einer weiteren Vertiefung der traditionell engen Verbindung beider Fachgesellschaften beigetragen haben.

 

Mammographiescreening in Österreich und der Schweiz

Univ. Prof. Dr. Michael Stierer

Um das Mammographiescreening entbrannten in den letzten Jahren heftige Kontroversen. Dabei stand eine ungünstige Schaden-Nutzen-Relation im Fokus der Debatten, wobei in der Schweiz eine negative Stellungnahme des Swiss Medical Board für Aufregung sorgte.

Während in Österreich mit Jahresbeginn 2014 ein flächendeckendes, nationales Brustkrebs-Früherkennungsprogramm gestartet wurde, gibt es derzeit nur in 11 von 26 Kantonen der Schweiz derartige Projekte. Zunächst wurde ein Überblick über den Stand des Mammographiescreenings im übrigen Europa gegeben. So gibt es in 23 von 28 EU-Ländern sowie in Norwegen und Island flächendeckende Früherkennungsprogramme. In etwa 2/3 der Länder werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in 2-jährigen Abständen eingeladen; in den übrigen Ländern gibt es Abweichungen im Hinblick auf das Alter der eingeladenen Frauen sowie in 2 Ländern auch im Hinblick auf die Einladungsfrequenz. Die Sinnhaftigkeit der Einbeziehung von über 70-jährigen Frauen wurde in jüngsten Publikationen jedenfalls sehr widersprüchlich beurteilt.

Eine intensive Diskussion löste erwartungsgemäß das Thema „Überdiagnose“ und die Problematik hoher Wiedereinberufungsraten im Zuge der „falsch positiven Diagnose“ aus. In Folge der überaus schwierigen Methodologie zur Erfassung von Überdiagnosen (ausreichend langes follow up, Einbeziehung von lead time bias sowie von Inzidenzunterschieden im zeitlichen Verlauf, Vermeidung von in der Vorscreening-Ära diagnostizierten, aber in der Screening-Ära diagnostizierten Brustkrebsfälle in der Berechnung) sind in der Literatur Zahlen zwischen 0 und 54% anzutreffen. Seriöse Analysen gehen nach Vornahme entsprechender statistischer Anpassungen von maximal 10% Überdiagnosen im Screening und einem Verhältnis von 2:1 zwischen relevanten Frühdiagnosen und Überdiagnosen aus. Solange es aber keine prädiktiven Faktoren für die biologische Aggressivität der entdeckten Tumore gibt, müssen alle Läsionen einer Therapie zugeführt werden.

Durch kontinuierliche Qualitätsoptimierung kann die Wiedereinberufungsrate nieder gehalten werden, ohne dies mit einem vermehrten Auftreten von Intervallkarzinomen zwischen zwei Screeningrunden bezahlen zu müssen. In Europa muss etwa jede fünfte Frau im Verlauf von 20 Jahren (= 10 Screeningrunden) mit einem solchen abklärungswürdigen Screeningresultat rechnen.

Bei der Vorstellung des österreichischen Programmes wurde besonders auf die Implementierung der obligaten Ultraschalluntersuchung bei dichter Brust (ACR 3 und 4) sowie bei unklarer Mammographie durch den Erstuntersucher Bezug genommen. Gestützt auf hervorragende Ergebnisse zweier Bundesländerpilotprojekte wurde dieser innovative Ansatz erstmals in ein nationales Screeningprogramm im Sinne der Effizienzoptimierung eingebaut. Erste Ergebnisse sind nicht vor 2016 zu erwarten. Für Frauen zwischen 40 und 44 Jahren sowie ab 70 Jahren werden opt-in Möglichkeiten angeboten.

Die Tomosynthese (=3D Mammographie) ergab in mehreren großen Studien deutlich bessere Ergebnisse in allen Effizienzparametern. Ob sie in Zukunft die Mammographie im Screening ablösen wird, bleibt offen. Wegen hoher Kosten und mangelnder Verfügbarkeit der Geräte ist mit einem Einsatz der sogenannten Fast-MRT trotz exzellenter erster Daten bis auf weiteres nicht zu rechnen.

Abschließend wurde über das Screening bei Frauen mit Hochrisikokonstellation (Lebenszeitrisiko mehr als 20%, 10-Jahresrisiko zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr mehr als 8%) berichtet. Das österreichische Programm (MRT jährlich ab dem 25. Lebensjahr bzw. fünf Jahre vor dem jüngsten familiären Erkrankungsfall, Mammographie zusätzlich jährlich ab dem 35. Lebensjahr) deckt sich dabei fast vollständig mit dem Vorgehen in der Schweiz. Ebenso werden in beiden Ländern prophylaktische Mastektomien im Gegensatz zu den USA nur in einem geringen Prozentsatz angenommen. Bei Frauen mit moderatem familiären Risiko (10-Jahresrisiko vom 40. und 50. Lebensjahr zwischen 3 und 8%) sind in Österreich jährliche Mammographien ab dem 40. Lebensjahr vorgesehen.

Trotz aller bekannten Problematiken sollte auch in Zukunft die Brustkrebsführerkennung mittels Mammographie einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der brustkrebsassoziierten Sterblichkeit beitragen können.

 

Ki67 als Marker der proliferativen Aktivität des Mammakarzinoms

Prim. Univ.-Prof. Dr. Angelika Reiner

Die klinische Bedeutung der proliferativen Aktivität des Mammakarzinoms ist schon seit langem bekannt. Ausgedrückt durch die Mitosezahl ist sie in das histologische Tumorgrading eingeflossen. Da aber die prognostische Aussagekraft des Tumorgradings wiederholt widersprüchlich beurteilt und vor allem wegen der begrenzten Reproduzierbarkeit wiederholt kritisiert wurde, wurde nach alternativen Möglichkeiten gesucht. Ki67 ist ein Proliferationsmarker, der in allen Phasen der Zellteilung mit Ausnahme der G0-Phase exprimiert wird. Er kann mit immunhistochemischer Färbung sehr gut dargestellt und so im Rahmen der histologischen Diagnostik kostengünstig beurteilt werden. Im histologischen Befund wird der Ki67-Labelingindex als Prozentwert markierter Karzinomzellen bezogen auf die Anzahl aller Karzinomzellen angegeben.

In der St. Gallen-Konsensuskonferenz wurde Ki67 2009 zur prädiktiven Beurteilung von invasiven Mammakarzinomen aufgenommen. Als niedrige proliferative Aktivität wurden Ki67-Labelingindices unter 16% definiert. Hohe proliferative Aktivität besteht bei Labelingindices über 30%. Dennoch besteht weiter Verunsicherung darüber, welche Labelingindices als Grenzwerte für klinische Entscheidungen valide sind.

Rezente Publikationen haben die prognostische Aussagekraft von Ki67 für das Mammakarzinom weiter bestätigt. Allerdings gehen nur wenige Studien auf die Problematik der Grenzwerte ein. Eine Studie konnte zeigen, dass Cutoff-Werte in einem relativ breiten Bereich zwischen weniger als 4% und 15% prognostisch signifikante Aussagen zuließen. Statistisch gesehen hatte der Ki67-Labelindex von 6,5% die höchste prognostische Aussagekraft.

Das für die Jahrestagung gestellte Thema lautete konkret „Optimal Ki67 treshold to indicate chemotherapy in luminal A or luminal B invasive breast cancer“. Diese Fragestellung bedeutet die Evaluierung des Ki67-Labelingindex hinsichtlich der Prädiktion therapeutischer Maßnahmen. Im Fall von luminalen Mammakarzinomtypen und vor allem Karzinomen vom Typ Luminal B stellt sich die Frage nach einer additiven adjuvanten Chemotherapie. Diese Frage kann auch als Frage nach Unter- oder Übertherapie definiert werden. In der rezenten Literatur finden sich in etwa gleicher Anzahl Berichte mit positiven und negativen Ergebnissen hinsichtlich des prädiktiven Wertes von Ki67. Die Cutoff-Werte variieren in Studien mit positiven und negativen Ergebnissen gleichermaßen bei Ki67-Labelinindices von weniger als 11% bis 20%. Eine mehr ins Detail gehende rezente Studie konnte zeigen, dass der prädiktive Cutoff-Wert von Ki67 in Abhängigkeit vom beurteilenden Pathologen und der Art der histologischen Analysemethode variiert.

Eine Studie neuesten Datums wurde von Mitgliedern der European Working Group of Breast Screening Pathology durchgeführt. Auch die in der Sitzung des Kongresses vortragenden Pathologinnen sind Mitglieder dieser Arbeitsgruppe und nahmen an der Studie teil. An Mammastanzpräparaten wurde mit der jeweiligen in den teilnehmenden 17 Instituten etablierten histologischen Routinemethode Ki67 evaluiert. Einige der Teilnehmer zählten den Ki67-Labelingindex unter dem Mikroskop aus, andere schätzten ihn lediglich ab. Unabhängig von der mikroskopischen Evaluationsmethode kam es zu einem Clustering der Ki67-Prozentangaben bei Werten, die mit den Ziffern 0 oder 5 endeten. Das bedeutet, dass Pathologen im Rahmen der täglichen Routinediagnostik in jedem Fall ein gewisses Abrunden der Ergebniszahlen vornehmen. Diese Praxis sollte für zukünftige Festlegungen von Cutoff-Werten neben statistischen Erkenntnissen berücksichtigt werden. Die alleinige Berücksichtigung statistischer Auswertung, die zur Empfehlung für Cutoff-Werte führt, wie es im Rahmen der Empfehlungen der St. Gallen-Konsensunsempfehlungen der Fall war, reicht für eine praktikable Lösung nicht aus.

Zusammenfassung

Derzeit sind die Cutoff-Werte für den Ki67-Labelingindex sowohl für Prognose als auch Prädiktion eines therapeutischen Ansprechens arbiträr festgelegt. Generell scheint nach derzeitigem Wissensstand ein Cutoff-Wert im niedrigen Bereich bessere Aussagekraft für die prognostische Beurteilung zu besitzen. Cutoff-Werte im Bereich höherer Ki67-Labelingindices (zumindest 30%) scheinen für die prädiktive Beurteilung hinsichtlich des Ansprechens einer adjuvanten Chemotherapie geeigneter zu sein. Dementsprechend werden in Zukunft möglicherweise für unterschiedliche Fragestellungen unterschiedliche Cutoff-Werte für den Ki67-Labelingindex notwendig sein.

Ki67-Cutoff-Werte sollten sowohl unter Berücksichtigung der Biologie des Mammakarzinoms als auch der mikroskopisch histologischen Praktikabilität definiert werden.

 

Strahlentherapie

Univ.-Prof. Dr. Alexandra Resch

Die diesjährige strahlentherapeutische Sitzung war vor allem den Herausforderungen gewidmet, denen sich die Strahlentherapie heute durch Veränderung der Patientenkollektive stellen muss. Die Radiatio nach brusterhaltender Operation stellt  derzeit die wichtigste Indikation zur Strahlentherapie in der Behandlung des Mammakarzinoms dar. Da aber dank verbesserter Früherkennung immer kleinere Tumoren gefunden werden, die zum Großteil auch eine exzellente Prognose aufweisen, stellt sich auch aus strahlentherapeutischer Sicht die Frage, ob alle diese Patientinnen eine Standardbehandlung benötigen, oder ob eine Therapiereduktion oder sogar ein Verzicht auf die Strahlentherapie möglich ist. Als erster Redner gab PD Dr. Günther Gruber aus Zürich einen umfassenden Überblick über den derzeitigen Stand der Literatur zu diesem Thema. Durch mehrere große prospektiv randomisierte Studien konnte eindrucksvoll bewiesen werden, dass die Strahlentherapie in brusterhaltenden Therapiekonzepten eine Reduktion der Lokalrezidive um etwa 60-80% bewirkt. Bis dato konnte noch keine Gruppe identifiziert werden, die keinen Benefit von einer postoperativen Strahlentherapie nach BET hat, die absolute Zahl an profitierenden Patientinnen ist jedoch, abhängig vom primär vorhandenen Rezidivrisiko, natürlich unterschiedlich hoch.

Die beiden nächsten Vortragenden Dr. Gert Fastner, Paracelsus Universität Salzburg, und Prof. Dr. Frank Zimmermann, Univ. Kinik Basel, stellten jeweils spezielle strahlentherapeutische Techniken vor, die vor allem älteren Patientinnen mit guter Prognose angeboten werden können, um die Therapie zu verkürzen, nämlich Hypofraktionierung (hierbei wird die gesamte Brust in weniger Fraktionen, allerdings mit höherer Einzeldosis bestrahlt) bzw. die Akzelerierte Partialbrustbestrahlung. Durch die Reduktion des Zielgebietes auf die unmittelbare Umgebung des Tumorbettes und die dadurch erhebliche Verkleinerung des bestrahlten Volumens wird ebenfalls eine höhere tägliche Einzeldosis ermöglicht, und in der Folge eine beträchtlich verkürzte Behandlungszeit erzielt (APBI- accelerated partial breast irradiation). 

Als letzte Rednerin stellte  Dr. Daniela Kauer-Dorner, Univ. Klinik f. Strahlentherapie Wien, aktuelle Daten zur Möglichkeit einer Re-Irradiatio im Fall eines Lokalrezidivs nach ursprünglich BET mit postoperativer adjuvanter Strahlentherapie vor. Da die letzten 20 Jahre vorwiegend brusterhaltende Therapien durchgeführt wurden, nimmt naturgemäß auch die Anzahl der „In-Brust-Rezidive“ mit der Zeit zu. Viele dieser Patientinnen haben dann auch den Wunsch nach einer neuerlichen Brusterhaltung. Nach der derzeitigen Datenlage insbesondere einer europäischen Multicenterstudie scheint eine neuerliche, zumindest begrenzte Radiatio im Sinne einer Teilbrustbestrahlung möglich und wirkungsvoll zu sein. Zu dieser Fragestellung wird eine prospektive, große europäische Multicenterstudie der GEC-Estro demnächst beginnen.

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4. Einladung zum 14. Internationalen Maritimen Kongress für Senologie:

10.-16. Mai 2015
Kongresshotel: Calista Ressort, Belek (Türkei) 

Sehr geehrte Mitglieder der ÖGS!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Unser Wissen um die Entstehung und Behandlung des Mammakarzinoms verdoppelt sich derzeit nahezu alle 2 Jahre und neue Strategien in der Diagnostik und Behandlung finden zunehmend Eingang in die klinische Praxis. Hierzu zählen vor allen Dingen neue Erkenntnisse in der bildgebenden und molekularen Diagnostik, in der rekonstruktiven Brustchirurgie aber auch bei der systemischen Behandlung des Mammakarzinoms.

Am 14. Maritimen Kongress für Senologie werden nationale und internationale Experten einen Überblick über aktuelle Studienergebnisse und Trends bei der Behandlung von Brustkrebs aufzeigen und gleichzeitig die Interdisziplinarität der Senologie im Zusammenspiel verschiedener Fachgruppen diskutieren. Übersichtreferate, interdisziplinäre Diskussionen, Workshops und Seminare sind Hauptbestandteil des Programms.

Unser Kongresshotel an der türkischen Riviera bietet sich als Ort des Gedankenaustausches und der Begegnung ideal an. Alle Referentinnen und Referenten sind anerkannte Experten auf ihrem Gebiet und verfügen über viel Erfahrung. Sie garantieren wissenschaftlich fundierte Information mit Relevanz für die tägliche Praxis.

Wir freuen uns, Sie in Belek begrüßen zu können und wünschen uns einen erfrischenden und informationsreichen Kongress.

Weitere Informationen zum 14. Internationalen Maritimen Kongress für Senologie finden Sie unter: http://www.maritimerkongress.org

Für das Organisationskomitee

Univ.-Prof. Dr. Christian Singer, MPH

Österreichische Gesellschaft für Senologie – Interdisziplinäres Forum für Brustgesundheit
c/o Wiener Medizinische Akademie für Ärztliche Fortbildung und Forschung
Alser Straße 4, A-1090 Wien, Telefon +43-1-405 13 83-20, Fax +43-1-405 13 83-23
Mail: senologie@medacad.org, www.senologie.at