Newsletter der Österreichischen Gesellschaft für Senologie

Sehr geehrte Mitglieder der ÖGS!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Von 30. Mai bis 3. Juni fand in Chicago der 50. Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) statt. Neben der Zusammenfassung der interessantesten Kongressbeiträge finden Sie in diesem Newsletter auch die Stellungnahme der ÖGS zu den Neuerungen im Mammakarzinom Früherkennungsprogramm sowie einen Ankündigungs-Link zur gemeinsamen Jahrestagung der Österreichischen und der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie, die von 11. bis 12. September 2014 in Lugano (Schweiz) stattfinden wird.


50. Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO)
Zusammenfassung


Endokrine Therapie premenopausal

SOFT/TEXT
Die gemeinsame Analyse von 4.690 Patientinnen aus SOFT und TEXT in Bezug auf die Frage Aromatasehemmer oder Tamoxifen gemeinsam mit Goserelin in der endokrinen Adjuvanstherapie von prämenopausalen Patientinnen mit hormonrezeptor-positivem Brustkrebs ergab einen klaren DFS-Vorteil für Exemestane gegenüber Tamoxifen (5-Jahres-DFS 91.1% vs 87.3%; P < .001). Dies ist im Lichte der negativen Vergleichsdaten Anastrozol/Tamoxifen doch überraschend, und kann am ehesten durch die längere Therapiedauer (5 Jahre vs. 3 Jahre) und vor allem durch die andere Patientinnenselektion erklärt werden (42% nodal-positiv, >60% Chemotherapie) erklärt werden. Interessanterweise gibt es nicht nur keinen Unterschied im Overall survival, sondern sogar einen numerischen Trend in die andere Richtung (HR=1.14, n.s.), was genauso ist wie in ABCSG-12. Die im – zeitgleich mit der ASCO Plenary Session erschienenen - NEJM-paper seitens Olivia Pagani angebotene Erklärung, dass SOFT/TEXT einfach mehr Patientinnen hätten als ABCSG-12, ist statistisch nicht nachvollziehbar. Im Ergebnis steht uns jedenfalls nun mit Goserelin + Exemestane eine weitere Option in der endokrinen Adjuvanstherapie in der klinischen Praxis zur Verfügung – die Abwägung von Wirksamkeit und Nebenwirkungsprofil wird in der täglichen Praxis wohl über die Wahl des Therapieschemas bei der individuellen Patientin entscheiden.

(Univ. Prof. Dr. Michael F.X. GNANT)

Obesity/Lifestyle

Moore HCT et al. POEMS: Phase III (prevention of early menopause study) of LHRH analog during chemotherapy (CT) to reduce ovarian failure in early stage, hormone-receptor negative breast cancer: An international Intergroup trial of SWOG, IBCSG, ECOG, CALGB (Alliance)
Die vorzeitige Menopause stellt eine häufige Komplikation einer zytostatischen Chemotherapie bei jungen Frauen mit Brustkrebs dar. Auch bei Wiederauftreten der Regelblutung kann die ovarielle Schädigung mit bleibender Unfruchtbarkeit assoziiert sein. Dieses Problem tritt speziell durch das zunehmend höhere Alter bei erster Schwangerschaft in den Vordergrund. Bisherige Studien zum Erhalt der ovariellen Funktion mittels paralleler Gabe von GnRH-Analoga zur Chemotherapie sowie deren Metaanalysen erbrachten inkonklusive Daten, weshalb das Interesse an einer weiteren randomisierten Studie groß war. Insgesamt 257 prämenopausale Patientinnen, davon 218 auswertbar, mit Hormonrezeptor (HR)-negativem Brustkrebs und Cyclophosphamid-haltiger Chemotherapie wurden zu monatlichem Goserelin oder Kontrolle randomisiert. Vorzeitiges Versagen der Ovarfunktion (premature ovarian failure; POF) wurde als primärer Studienendpunkt gewählt, wobei POF als Amenorrhö und FSH-Spiegel im postmenopausalen Bereich in den letzten sechs Monaten zwei Jahre nach Randomisierung definiert wurde. Tatsächlich konnte in der Goserelingruppe eine signifikant niedrigere POF- Rate beobachtet werden (22% versus 8%; p=0,03 unadjustierte Analyse; p=0,08 adjustierte logistische Regressions-Analyse), auffällig war darüber hinaus auch eine höhere Rate an Schwangerschaften (13 versus 22; p=0,05), die einen sekundären Endpunkt darstellte. Für besondere Diskussionen sorgte jedoch das Ergebnis eines weiteren sekundären Endpunktes: Sowohl erkrankungs-freies Überleben (PFS) (HR 0,49; p=0,04) als auch Gesamtüberleben (OS) (HR 0,43; p=0,05) waren im Goserelinarm überlegen. Tatsächlich erscheint die Interpretation dieser Ergebnisse einigermaßen problematisch. So muss der Mechanismus, über den mittels GnRH-Analoga ein Effekt auf PFS und OS in einer HR-negativen Population vermittelt werden, biologisch erklärt werden. Bedenkt man die Tatsache, dass in anderen rezenten Studien mit tausenden Patientinnen die Eventrate deutlich niedriger als erwartet war und dies die statistische Analyse erschwerte kann letztlich nicht ausgeschlossen werden, dass in einer Population von knapp über  200 Studienteilnehmern ein zufälliger Effekt zum Tragen kommt. Vor diesem Hintergrund könnte sogar die höhere Zahl an Schwangerschaften in der Goserelingruppe im Sinne eines „healthy-mother bias“ interpretiert werden. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Ergebnisse von POEMS darauf hindeuten, dass Goserelin tatsächlich eine Rolle in der Protektion der ovariellen Funktion unter (neo)adjuvanter Chemotherapie spielen könnte. Der – überraschend – positive Effekt von Goserelin in Hinblick auf PFS und OS sollte jedoch hinterfragt werden und keinen Anlass darstellen, unselektioniert bei allen HR-negativen prämenopausalen Patientinnen unter Chemotherapie ein GnRH-Analogon einzusetzen. Letztlich ziehen die PFS und OS-Ergebnisse auch das positive Ergebnis in Hinblick auf den primären Endpunkt in gewissem Ausmaß in Zweifel.

(Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch)

Kurz vor dem diesjährigen ASCO wurde vom ASCO Präsident Cliff Hudis Übergewicht als eines der nun wesentlichsten ‚Research Targets’ definiert. Grund hierfür ist, dass Übergewicht demnächst Rauchen als häufigste vermeidbare Ursache für Krebs ablösen wird. Doch nicht nur das Brustkrebsrisiko sondern auch die Prognose wird durch Übergewicht beeinflusst. Dies wurde in einer EBCTCG Analyse bei 80 000 Brustkrebspatientinnen näher untersucht und die Ergebnisse in der Oral Abstract Session präsentiert. Bei Hormonrezeptor-negativen oder schwach positiven Brustkrebspatientinnen konnte kein Einfluss des BMI auf die Prognose nachgewiesen werden. Bei Östrogen-rezeptor positiven Patientinnen konnte allerdings gezeigt werden, dass je höher der BMI ist, desto schlechter ist die Prognose der Patientinnen. Bei der Aufsplittung in prä-/perimenopausale und postmenopausale Patientinnen wurde interessanterweise gezeigt, dass der BMI wohl nur bei den prä-/perimenopausalen Patientinnen die Prognose beeinflusst, nicht aber bei den Postmenopausalen. Dieses Ergebnis war (sowohl für die Autoren als auch) für das Publikum überraschend, da man aufgrund verschiedener Überlegungen eigentlich einen starken Einfluss von Übergewicht bei postmenopausalen Patientinnen erwartet hätte.
In gleicher Session wurde eine Analyse der MA 21 präsentiert, die den Einfluss des VitaminD auf die Prognose von Brustkrebspatientinnen untersuchte. 80.5% der überwiegend prämenopausalen Patientinnen dieser Analyse hatten adäquate VitaminD Spiegel >20ng/ml. Weder im Gesamtkollektiv noch in einer Subgruppe konnte gezeigt werden, dass niedrige VitaminD Spiegel zu einem schlechteren Outcome führen bzw. dass der VitaminD Spiegel in irgendeiner Form den Krankheitsverlauf beeinflusst. Diese Analyse zeigt zum Einen, dass ein Großteil unserer Patientinnen ausreichend hohe VitaminD Spiegel aufweist und zum Anderen, dass eine Substitution von VitaminD zur Verbesserung des Verlaufes der Brustkrebserkrankung derzeit nicht empfohlen werden kann.

(Ass. Prof. Dr. Georg Pfeiler)


Tripple negativ und BRCA

Steven Isakoff präsentierte in einer Analyse der TBCRC009 Studie mögliche Biomarker, die eine Ansprechvorhersage für eine Platin-Monotherapie bei metastasierten Triple-negativen Mammakarzinomen erlauben sollten. Diese Krebsform stellt insofern eine therapeutische Herausforderung dar, da bislang keine spezifischen Zielstrukturen identifiziert worden sind. Insbesondere in den letzten Jahren hat sich die Platintherapie (in dieser Studie als Monotherapie verabreicht) als besonders wirkungsvoll bei TNBC herausgestellt, und rezente Arbeiten lassen insbesondere den Schluss zu dass platin-basierte Therapien besonders wirksam beim BRCA-assoziierten Brustkrebs sind. Dies zeigte sich auch beeindruckend bei der vorgestellten Studie, die eine klare Wirksamkeit von Platinen im metastasierten Stadium aufzeigten. Wie erwartet zeigten Tumore von Frauen mit einer BRCA Mutation eine deutlich bessere Ansprechrate, was sich allerdings nicht in ein verlängertes PFS oder OS übersetzten ließ. Interessanterweise schien der Human Recombination Deficiencey Test (HRD) der Fa Myriad die Gruppe von ansprechenden Tumoren noch um eine Reihe von Nicht-Mutationsträgern zu erweitern, was diesen Test außerordentlich spannend als companion Biomarker erscheinen lässt.
Gunther von Minckwitz stellte in seiner Subanalyse der neoadjuvanten Geparsixto pCR Ergebnisse in Abhängigkeit von Familienanamnese und Vorhandensein einer BRCA bzw. Rad51c Keimbahnmutation vor. In Geparsixto waren die Hälfte der erkrankten Frauen mit einem Triple-negativen Mammakarzinom in einen Taxan /Myocet Arm randomisiert worden, während die andere Hälfte zusätzlich noch Carboplatin erhielt. In der primären Analyse, die im Mai 2014 in Lancet Oncology publiziert wurde, zeigte sich, dass insbesondere bei Triple Negativen Patientinnen die Zugabe von Platin zu einer Erhöhung der pCR Rate auf 53% führte. In dieser Gruppe fanden sich zumindest 15% Keimbahnmutationen in BRCA bzw. Rad 51. Und in genau dieser Gruppe zeigten sich die höchsten pCR Raten (bis zu 64%), während bei Frauen ohne Mutation bzw. Familiengeschichte lediglich 11% eine pCR erreichten. Daten hinsichtlich DFS bzw. OS werden erst in einer späteren Analyse zu erwarten sein.

(Univ. Prof. Dr. Christian Singer)


PAM 50 und Lokalrezidiv

Die prognostische Einschätzung von Frauen mit Mammakarzinom hat in den letzten Jahren unsere Therapieentscheidung geprägt. Multigenomische Tests wie Oncotype DX®, Mammaprint®, PAM50 oder Endopredict® können mit guter Sensitivität ein niedriges Risiko für die Entstehung von Fernmetastasen voraussagen. Unklar ist jedoch, ob diese Tests auch für die prognostische Einschätzung des Lokalrezidivs verwendet werden können und damit die lokale Therapie beeinflussen könnte. Auf der 50-jährigen Jubiläumskonferenz der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago (Juni 2014) konnte Univ. Prof. Dr. Florian Fitzal, Leiter des Brustzentrums der Barmherzigen Schwestern in Linz, Daten der Austrian Breast and Colorectal Study Group (ABCSG) präsentieren, welche auf den Nutzen der multigenomischen Tests für die Prognose des Lokalrezidivs hinweisen. Von den analysierten 1308 Tumorblöcken innerhalb dieser klinischen niedrig-Risiko Patientinnengruppe (Tab 1) konnte der PAM50 28% der Frauen mit einem hohen Rezidivrisiko klassifizieren. Verglichen mit Frauen mit einem PAM50 niedrig-Risiko Tumor hatten Frauen mit einem PAM50 hoch-Risiko Tumor ein 3-fach erhöhtes Risiko, ein Lokalrezidiv zu bekommen. Insgesamt lag die Lokalrezidivrate nach 9.5 Jahren bei allen Patientinnen bei 2,6%.
Ähnliche Ergebnisse konnten wir heuer auf dem EBCC in Glasgow mit dem Endopredict® präsentieren. Hierbei konnten wir zusätzlich zeigen, dass in der niedrig-Risiko Gruppe eine adjuvante Strahlentherapie das Loklarezidivrisiko trotzdem weiter senkt. Damit kann man zusammenfassen, dass genetische Expressionstests wie der PAM50, Endopredict® aber auch Oncotype DX® für die Prognose eines Lokalrezidivs eingesetzt werden können. Die Verwendung dieser Tests zur Bestimmung der lokalen Therapie benötigt aber noch weitere Untersuchungen.

(Univ. Prof. Dr. Florian Fitzal)


Radiologie

Prominent war dieses Jahr am ASCO auch die Radiologie durch Katja Pinker-Domenig, von der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, mit dem Vortrag „Effect of multiparametric MRI of the breast on diagnostic accuracy“ vertreten.
In dieser prospektiven Studie konnte weltweit erstmalig gezeigt werden, dass die multiparametrische MRT, also die Kombination unterschiedlicher MRT Parameter, eine Darstellung von Schlüsselfaktoren der Krebsentstehung und dadurch eine signifikant verbesserte Brustkrebsdiagnostik erlaubt. Es können durch die multiparametrische MRT zwei Drittel aller bisher „unnötig durchgeführten Brustbiopsien“ vermieden werden. Die multiparametrische MRT stellt einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung personalisierte Medizin dar, um eine maßgeschneiderte Brustkrebs-Therapie den Patientinnen anbieten zu können.

(Dr. Katja Pinker)


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Ein sehr aktuelles Thema, das in den vergangenen Monaten breit diskutiert wurde und zu massiven Verunsicherungen in der Bevölkerung geführt hat, ist das neue Mammakarzinom Früherkennungsprogramm. Die ÖGS hat das Früherkennungsprogramm zwar grundsätzlich immer unterstützt, jedoch schon im vergangenen Jahr in mehreren Schreiben an das Ministerium und die Programmverantwortlichen im Hauptverband auf eine Reihe von Problemen hingewiesen. Umso größer ist die Freude nun, dass Bundesminister Stöger Anfang Mai Verbesserungen des Früherkennungsprogramms bekannt gegeben und somit die Forderungen der ÖGS erfüllt hat. Unsere detaillierte Stellungnahme finden Sie auf der ÖGS-Website unter: www.senologie.at/aktuelles/mammografie-screening-oegs-begruesst-verbesserungen-


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Auf unserer Website www.senologie.at finden Sie auch schon die Ankündigung für die gemeinsame Jahrestagung der Österreichischen und der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie, die von 11. bis 12. September 2014 in Lugano (Schweiz) stattfinden wird.


Ich freue mich, Sie bei der Jahrestagung im Herbst persönlich begrüßen zu dürfen
und wünsche Ihnen namens der ÖGS eine schöne Sommerzeit


Ihr

Prim. Univ. Doz. Dr. Rupert Koller
Präsident

Deadline für Ihre Abstracteinreichung im Wissenschaftlichen Sekretariat:
31. Juli 2012

Österreichische Gesellschaft für Senologie – Interdisziplinäres Forum für Brustgesundheit
c/o Wiener Medizinische Akademie für Ärztliche Fortbildung und Forschung
Alser Straße 4, A-1090 Wien, Telefon +43-1-405 13 83-20, Fax +43-1-405 13 83-23
Mail: senologie@medacad.org, www.senologie.at