Newsletter der Österreichischen Gesellschaft für Senologie

Sehr geehrte Mitglieder der ÖGS!
Liebe Kolleginnen und Kollegen! 

Wie schnell doch die Zeit vergeht, dieser Newsletter ist der letzte meiner Präsidentschaft und ich freue mich, noch einige Neuerungen bekannt zu geben.

Ich darf zunächst von der erfolgreichen 4-Ländertagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Stuttgart in der Zeit vom 14. bis 16.6.2018 mit dem Thema „Senologie gleich Evolution“ berichten. Die Tagung fand großen Anklang, 2800 Personen haben teilgenommen. Österreich war dabei gut vertreten, wir haben nicht nur in den zehn 4-Länder-Sitzungen jeweils eine(n)Vorsitzende(n) und eine(n) Referent/in gestellt, sondern unsere Mitglieder waren darüber hinaus auch noch in zahlreichen anderen Sitzungen prominent vertreten. Die Four Country-Sitzungen waren außerordentlich interessant, die Vorträge waren von hoher wissenschaftlicher Qualität. Die dafür eigens bereit gestellten Simultandolmetscherinnen haben sich außerordentlich gut bewährt und es war erstaunlich zu erleben, was die beiden Damen geleistet haben und wie gut sie vorbereitet und in der Materie eingelesen waren, sodass eigentlich in Echtzeit mit den französischen Kollegen in der eigenen Muttersprache diskutiert werden konnte. Dafür nochmals Dank an die deutsche Schwestergesellschaft, die Kosten nicht gescheut hat, um das zu ermöglichen. Freilich kam auch der gesellschaftliche Teil nicht zu kurz, bei schönem Wetter wurde der Kontakt unter den Teilnehmern in entspannter Atmosphäre gepflegt.

Während des Kongresses wurde auch eine Vorstandssitzung der Österreichischen Gesellschaft für Senologie abgehalten und unter anderem beschlossen, eine Arbeitsgruppe „risikoreduzierende Operation“ zu konstituieren, die Empfehlungen für diese speziellen Eingriffe an gesunden Brüsten erarbeiten soll. Die konstituierende Sitzung der Arbeitsgruppe fand auch bereits am 21.6.2018 im AKH Wien statt, und es konnte Herr Univ.-Prof. Dr. Helmut Ofner von der juridischen Fakultät als juristische Unterstützung gewonnen werden, der außerdem in Zukunft in jedem Newsletter nach Möglichkeit einen interessanten juridischen Fall aus dem Gebiet der Senologie berichten wird. Diese Glossen sollen dann auch gleich als Datenbank für derartige juridische Entscheidungen dienen, auf die im Bedarfsfall zurückgegriffen werden kann und die wir unseren Mitgliedern zur Verfügung stellen wollen. Ich freue ich mich, in diesem Newsletter die erste derartige Kolumne von Herrn Univ.-Prof. Dr. Ofner anzukündigen.

Beschlossen wurde zudem eine noch engere Kooperation zur ABCSG, damit auch dort erarbeitete Neuigkeiten im Rahmen unserer Gesellschaft unseren Mitgliedern schneller bekannt werden. Weiters sollen auch regelmäßige gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt werden, beispielsweise soll der nächste Mammadiskurs der ABCSG im November zum Thema „Positivstudie“ von der ÖGS mitgestaltet werden. Diese Studie ist sicher auch für viele unserer niedergelassenen Mitglieder besonders interessant, die viele gesunde Patientinnen in der Nachsorge haben und öfter mit einem Kinderwunsch derselben konfrontiert werden. Ich denke, dass diese verstärkte Kooperation mit der wichtigsten österreichischen Studiengruppe eine gute Gelegenheit ist, unsere unterschiedliche Mitgliederstruktur im Sinne translationaler Forschung zu nutzen, abgesehen von der Tatsache, dass viele unserer Mitglieder auch jetzt schon Mitglieder der ABCSG sind und dort auch führend mitarbeiten.

Die nächste Gelegenheit zum kollegialen Austausch steht schon vor der Tür, und ich darf an die Jahrestagung unserer Gesellschaft von 27.-29. September in Graz erinnern und hoffe auf eine rege Teilnahme. Das Programm ist weitgehend fertiggestellt und wird gesondert ausgesendet werden. Im Rahmen dieses Kongresses wird auch wieder der Hologic-Wissenschaftspreis vergeben werden. Weitere Informationen finden sich unter: http://www.medacad.org/senologie2018/

Der nächste maritime Kongress wird schon unter der Präsidentschaft von Herrn Univ.-Prof. Dr. Christian Singer in der Zeit vom 8. bis 15.6.2019 auf Kreta stattfinden.

Der Kongress 2019 wird gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie in Sankt Gallen in der Zeit vom 29. bis 31.8.2019 stattfinden.

 

Damit wünsche ich allen Kolleginnen und Kollegen einen wunderschönen und erholsamen Sommer!

Mit freundlichen Grüßen, Ihre

Univ.-Prof. Dr. Alexandra Resch

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Neues vom Recht:

Stanz- oder offen Biopsie: Standard und Aufklärung

Ein deutsches Oberlandesgericht musste sich in einer aktuellen Entscheidung mit Indikation und Aufklärung bei Stanz- und offener Biopsie beschäftigen. Im gegenständlichen Fall wurde an einer 63-jährigen Patientin im Jahr 2009 zur Abklärung eines unklaren Herdbefundes eine Exzision nach sonographischer Markierung mittels offener Biopsie durchgeführt. Im Zuge des Eingriffs wurde ein Gewebeareal mit einem Gewicht von 35g entfernt. Die Patientin war davor vom Radiologen über die Möglichkeit einer Stanzbiopsie informiert worden, entschied sich aber nach der Empfehlung des Chirurgen für die offene Biopsie. Nachdem sich ein Jahr später im Rahmen der Sonographie wiederum ein Herdbefund gezeigt hatte, wurde eine Stanzbiopsie durchgeführt, die Anteile eines regressiv veränderten Papilloms, Klassifikation B3 ergab. Die Befunde wurden sodann nach sonographischer Drahtmarkierung exzediert. Im Anschluss kam es zu einer Entzündung und erheblichen Wundheilungsstörungen.

Die Patientin begehrte Schadenersatz und machte Behandlungs- und Aufklärungsfehler geltend. Statt einer offenen Biopsie hätte 2009 die Abklärung des sonographisch suspekten Befundes mittels Stanzbiopsie erfolgen müssen. Die Entfernung des Knotens wäre bereits bei dem Ersteingriff möglich gewesen. Der Verzicht auf eine Drahtmarkierung sei fehlerhaft gewesen. Die Aufklärung sei defizitär gewesen, da durch den Chirurgen keine Aufklärung über die alternative Möglichkeit einer Abklärung mittels Stanzbiopsie erfolgt sei.

Gestützt auf die Ausführungen des Gerichtsgutachters hielt das OLG zunächst fest, dass die gewählte offene Biopsie bei der Größe des Tastbefundes medizinisch vertretbar war. Selbst in einem Klinikum der Maximalversorgung und einem zertifizierten Brustzentrum hätte auch ein erfahrener Behandler bei einem derartig kleinen Befund und einer voroperierten Brust von einer Stanzbiopsie abgesehen und allein zu einer offenen Biopsie geraten. Die offene Biopsie gäbe bei einem derartigen Befund unabhängig von Ultraschall und der Erfahrung des Behandlers die größere diagnostische Sicherheit. Eine zusätzliche Drahtmarkierung hätte die Wahrscheinlichkeit der Entfernung des gutartigen Befundes beim Eingriff 2009 allenfalls unwesentlich erhöht und war aus ex ante Sicht nicht erforderlich. Soweit der kleine gutartige Befund operativ verfehlt worden ist, liege kein Fehler vor, da dies auch bei größtmöglicher Sorgfalt in bis zu 5% aller Fälle vorkommt. Zudem durften die Ärzte zunächst davon ausgehen, das Papillom exzediert zu haben. Das OLG kam daher zum Schluss, dass kein Behandlungsfehler vorliegt.

Zur Aufklärungspflicht hielt das Gericht fest, dass die Stanzbiopsie eine echte Behandlungsalternative zur offenen Biopsie war, weil die beiden Alternativen zur Überprüfung des hier vorhandenen Herdbefundes (ca. 6 mm großer Tastbefund) als gleichermaßen indizierte und übliche Standardmethoden einzuordnen seien, welche mit wesentlich unterschiedlichen Belastungen und Erfolgschancen einhergehen. Angesichts der Größe des Befundes (gerade einmal 6 mm) und der vielen Voroperation im Bereich der Brust wäre eine Stanzbiopsie aber hochaufwendig und schwierig gewesen; dazu hätte es eines hochspezialisierten Behandlers bedurft. Demgegenüber bestehe bei der offenen Biopsie bei einem derartig kleinen Befund deutlich geringere Risiken, den Tastbefund zu verfehlen, als bei der Stanzbiopsie. Sie biete die größere diagnostische Sicherheit und ist überdies im Idealfall anders als die rein diagnostische Stanzbiopsie auch gleich die Therapie. Dafür birgt die offene Biopsie alle Risiken eines invasiven Eingriffs. Da der Patientin aufgrund der Information durch den Radiologen und aufgrund ihrer Voroperationen die Methode der Stanzbiopsie und deren Eignung im konkreten Fall bekannt war,  lag auch keine Aufklärungspflichtverletzung vor.

Die Klage wurde daher abgewiesen.

Univ.-Prof. Dr. Helmut Ofner

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Neues von der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group

Seit November 2017 läuft ABCSG 48/POSITIVE, eine Studie für Brustkrebspatientinnen mit Kinderwunsch, auch in Österreich. Die klinische Studie zur Beurteilung der Schwangerschaftsergebnisse und der Unbedenklichkeit einer Unterbrechung der Hormontherapie bei jungen Frauen mit einem Östrogenrezeptor-positivem Mammakarzinom, die schwanger werden möchten, konnte durch die private Spende einer Niederösterreicherin von der ABCSG gestartet werden, international verantwortlich ist die IBCSG (International Breast Cancer Study Group). 

Vorliegende Daten lassen vermuten, dass eine Schwangerschaft nach einer Brustkrebstherapie das Risiko eines Rezidivs nicht signifikant erhöht. Nun soll im gesicherten Setting einer klinischen Studie erstmals geprüft werden, ob eine Unterbrechung der endokrinen Therapie für zwei Jahre ohne Nachteile für die Patientin möglich ist und zusätzlich dem Kinderwunsch entsprochen werden kann. Diese Daten sind vor allem für BehandlerInnen von großer Bedeutung, da sie oft mit diesem Patientinnenwunsch konfrontiert sind, ohne auf evidenzbasierte Informationen zurückgreifen zu können. „Dass wir mit dieser akademischen Studie Brustkrebspatientinnen mit Kinderwunsch sowohl eine wirksame Therapie als auch die Möglichkeit auf Nachwuchs bieten können, freut mich persönlich sehr“, sagt ABCSG-Präsident Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant dazu. An der Studie beteiligen sich vier Zentren in Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck, insgesamt sollen 30 Patientinnen eingeschlossen werden. Die Rekrutierungsphase wird vier Jahre dauern und zehn Jahre das Follow-Up. „Es ist für uns derzeit sehr schwer zu beurteilen, ob man in Einzelfällen, vor allem bei ausgeprägtem Kinderwunsch, das Risiko einer Therapieunterbrechung oder -verkürzung eingehen kann, da es dazu keine Daten gibt. Darum ist es umso wichtiger, dass wir das im Rahmen einer Studie erheben und die Datenlage bei diesem so wichtigen Thema erheblich verbessern können.“

Nähere Informationen sowie die Ein- und Ausschlusskriterien finden Sie unter www.abcsg.at

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Einladung zu Fortbildungen der ABCSG:

12. September 2018, St. Veit an der Glan
Hands on Science – guidelines & new agents

Mit einem Überblick über aktuelle Guidelines, Case Reports aus der Region und einem Ausblick auf Kombinationstherapien ist diese interdisziplinäre Fortbildung wichtig für alle, die im Bereich des (metastasierten) Mammakarzinoms tätig sind.

Nähere Informationen und Anmeldung: https://www.abcsg.org/hands-on-science-guidelines-new-agents-kommt-nach-st-veit-an-der-glan/

 

10. Oktober 2018, Graz
IMPROving ABCSG

Bei diesem interaktiven Fortbildungsabend zum Mammakarzinom können Sie selbst mitbestimmen, welche Patientenfälle diskutiert werden!

Nähere Informationen und Anmeldung:  https://www.abcsg.org/improving-abcsg-kommt-nach-graz/

 

17. Oktober 2018, Linz
Breast Cancer: Science and Cases

Fallpräsentationen aus der Praxis werden von interdisziplinären Kleingruppen diskutiert und die vorgeschlagenen Therapieoptionen gemeinsam mit Vorsitzenden und Publikum erörtert.

Nähere Informationen und Anmeldung unter: https://www.abcsg.org/science-and-cases-kommt-wieder-nach-linz/

(Alle Veranstaltungen werden auf Deutsch abgehalten.)

Österreichische Gesellschaft für Senologie – Interdisziplinäres Forum für Brustgesundheit
c/o Wiener Medizinische Akademie für Ärztliche Fortbildung und Forschung
Alser Straße 4, A-1090 Wien, Telefon +43-1-405 13 83-20, Fax +43-1-405 13 83-23
Mail: senologie@medacad.org, www.senologie.at