Newsletter der Österreichischen Gesellschaft für Senologie

Sehr geehrte Mitglieder der ÖGS!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

In dieser Ausgabe des ÖGS-Newsletters möchten wir Ihnen einen Rückblick über unsere Aktivitäten in diesem Frühjahr geben und gleichzeitig über aktuelle Ausschreibungen und Termine informieren.

Von 21. bis 26. Mai fand in Mallorca unser 15. Maritimer Kongress mit über 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz statt. Nationale und internationale Expertinnen und Experten zeigten einen Überblick über aktuelle Studienergebnisse und Trends bei der Behandlung von Brustkrebs auf und diskutierten gleichzeitig die Interdisziplinarität der Senologie im Zusammenspiel verschiedener Fachgruppen. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Themen finden Sie weiter unten in diesem Newsletter.

Bereits am 11. Mai veranstaltete die ÖGS eine sehr erfolgreiche Pressekonferenz zum Brustkrebsscreening-Programm, bei der Mängel bei der Bewerbung, Umsetzung und Evaluierung des Programms aufgezeigt wurden. Ein besonderer Fokus lag auf der Zielgruppe der 60- bis 70-Jährigen, die das höchste Brustkrebs-Risiko aufweist und durch das Screening-Programm kaum erreicht wird. Die Presseinformation zur Pressekonferenz steht auf unserer Homepage zum Download bereit, ebenso eine Auswahl an Medienberichten in Radio, TV, Tageszeitungen und Magazinen.

Auch im heurigen Jahr schreibt die ÖGS wieder einen Wissenschaftspreis für hervorragende klinische oder theoretische Arbeiten auf dem Gebiet der Senologie aus. Für diesen Preis können Erstautorinnen und -autoren unter 40 Jahren Arbeiten einreichen, die innerhalb des Jahres 2016 oder bis 30. Mai 2017 publiziert bzw. nachweislich zum Druck angenommen wurden. Über die genauen Richtlinien und die Einreichfrist werden alle ÖGS-Mitglieder noch gesondert per E-Mail verständigt bzw. finden Sie diese in Kürze auch auf unserer Website www.senologie.at.

Zum Abschluss möchte ich Sie bitten, sich den Termin für unseren nächsten Senologischen Kongress vorzumerken, der von 27. bis 29. September 2018 in Graz stattfinden wird.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Sommer und einen erholsamen Urlaub!

Ihre

Univ.-Prof. Dr. Alexandra Resch
alexandra.resch@meduniwien.ac.at

 

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Berichte vom 15. Internationalen Maritimen Kongress für Senologie (21. bis 26. Mai 2017, Mallorca, Spanien)

  • Allgemeiner Rückblick (Univ.-Prof. Dr. Christian Singer)
  • Radioonkologie (OA Priv.-Doz. Dr. Gerd Fastner)
  • Molekularpathologische Faktoren des Mammakarzinoms - Was ist nach wie vor gültig? Was ist neu? (Prim. Univ.-Prof. Dr. Angelika Reiner)
  • Onkoplastische und rekonstruktive Chirurgie (Prim. Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller)

Maritimer Kongress 2017 Sujet

1. Allgemeiner Rückblick
Univ.-Prof. Dr. Christian Singer

Seit fast 30 Jahren führt der Maritime Kongress in zweijährigen Intervallen senologisch orientierte Kolleginnen und Kollegen in eine maritime Destination, um jenseits der täglichen Routine eine Woche mit interdisziplinären Fortbildungen und Fachgesprächen zu verbringen. Was zunächst als informelle Fortbildungsveranstaltung zum interdisziplinären Austausch Österreichischer SenologInnen gedacht war, hat sich in den letzten Jahren zu einem straff organisierten internationalen Kongress entwickelt, in dem von 9 bis 17 Uhr Vorträge, Workshops, und Seminare alle wesentlichen Aspekte der Senologie abdecken.

In diesem Jahr lud die Österreichische Gesellschaft für Senologie zu dem inzwischen 15. Maritimen Kongress nach Mallorca, der vom 21. bis 26. Mai im Kongresszentrum des Hotels Zafiro Palace Alcudia abgehalten wurde. Mit über 160 KongressbesucherInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz konnte ein neuer TeilnehmerInnenrekord erzielt werden. Besonders erfreulich war die Tatsache, dass gerade die heurige Veranstaltung von vielen jungen, zum Teil noch in Ausbildung befindlichen KollegInnen besucht wurde. Diese Entwicklung zeigt auch, dass die konsequente Einbindung von jungen und aufstrebenden KollegInnen in das Kongressprogramm – beispielsweise durch Fallpräsentationen und die Vorstellung von Patientinnen in den interdisziplinären Tumorboards – von dieser Zielgruppe sehr gut angenommen wird. Als Novum erhielten bei der Veranstaltung vier junge KollegInnen für ihre Vorträge den erstmals von der ÖGS ausgelobten "Young Speaker´s Award", der mit 500 Euro dotiert war. Die Preisträger waren Elisabeth Bergen aus Wien (ÖGS, "Optimale Dauer der Endokrinen Therapie") Theresa Czech aus Innsbruck (ÖGS, "Brustkrebs und Schwangerschaft"), Constanze Elfgen aus St. Gallen (SGS, "Einsatz von Genexpressionsprofilen in der Adjuvanz") und Michael Bolliger aus Wien (ÖGS, "Immediate Techniques of Oncoplastic Surgery: Ergebnisse der prospektiven iTop Studie").

Maritimer Kongress 2017

Natürlich waren auch heuer wieder zahlreiche ausgezeichnete Vorträge von ReferentInnen aus ganz Österreich zu hören, aber auch von namhaften KollegInnen aus Deutschland und erstmals auch aus der Schweiz, die die Atmosphäre im zumeist gut gefüllten Vortragssaal sichtlich genossen haben. Dabei wurde – und auch das ist positiv anzumerken – in den meisten Sessions durchaus intensiv und leidenschaftlich diskutiert.

Unter all den Themen, die von Sonntag bis Freitag behandelt wurden, ein Highlight zu erwähnen, ist fast nicht möglich, aber herausragend waren sicherlich die Beiträge zum Mammascreening, in dem Prof Pijnappel (Universität Utrecht) anhand des außerordentlich gut organisierten Niederländischen Brustkrebsfrüherkennungsprogrammes einmal mehr aufzeigen konnte, woran es beim Österreichischen Programm mangelt. Besonders gut aufgenommen wurden auch die Beiträge zum Thema Brustkrebsrisiko, die plastisch-rekonstruktiven Beiträge und die beiden virtuellen Tumorboards. Und wer am Abend noch aufnahmefähig war, konnte an einem der "Kamingespräche" zum Thema Psychoonkologie teilnehmen, die von den TeilnehmerInnen als besonders wertvoll und persönlich bereichernd wahrgenommen worden sind.

Was sich bereits bei den letzten Veranstaltungen gezeigt hat, hat sich auch in diesem Jahr bestätigt: Die Unterstützung durch Pharmafirmen für Veranstaltungen ist durch die Implementierung von strengen Compliancerichtlinien der Pharmaindustrie praktisch völlig ausgeblieben. Dieser Umstand stellt Kongressorganisatoren zunehmend vor existentielle Probleme. Durch eine umsichtige Finanzplanung und nicht zuletzt durch die starke Zunahme von KongressbesucherInnen konnte der 15. Internationale Maritime Kongress heuer jedoch komplett ohne Pharmasponsoring organisiert und durchgeführt werden. Dadurch konnte letztlich auch garantiert werden, dass die ausgewählten Themen und Vortragsinhalte ausschließlich durch die ÖGS und gänzlich ohne Einflussnahme von Pharmafirmen erfolgten. Dass derartige Veranstaltungen heutzutage tatsächlich auch ohne Pharmaunterstützung erfolgen können, hat übrigens bei einigen deutschen KollegInnen zu einem ungläubigen Staunen geführt.

An der Stelle darf auch jenen Personen gedankt werden, ohne deren Engagement der 15. Maritime Kongress nicht zustande gekommen wäre. Neben dem Organisationskomitee sind dies insbesondere Frau Wintersperger, bei der auch heuer wieder die Fäden der Programmorganisation zusammengelaufen sind und die trotz aller Spezialwünsche und kurzfristigen Terminänderungen von ReferentInnen das heurige Programm wie immer souverän zusammengefasst hat. Weiters sind hier noch Frau Janisch und Frau Kapounek von der Firma Mondial zu nennen, die unter der Leitung von Frau Ludwig vor Ort für einen reibungslosen Kongressablauf verantwortlich waren. Ein großes Danke gilt natürlich allen ReferentInnen und Vorsitzenden, die sich auch heuer wieder die Mühe gemacht haben, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus ihrem Fachgebiet mit großem Engagement zu vermitteln.

Maritimer Kongress 2017 (2)

 

2. Radioonkologie
OA Priv.-Doz. Dr. Gerd Fastner

Im Rahmen der radioonkologischen Beiträge berichtete Frau Univ.-Prof. Dr. A. Resch (Wien) über die Indikation der Strahlentherapie bei der "älteren Frau". Das Alter dieser Patientinnengruppe kann nach den derzeitigen Daten in etwa bei 70 Jahren und darüber festgelegt werden. Die meisten Empfehlungen internationaler Leitlinienkommissionen (NCCN, EUSOMA, Deutsche S3-Leitlinien) fanden bislang keine altersassoziierte Subgruppe, bei der auf eine postoperative Strahlentherapie verzichtet werden kann. Nur in Ausnahmefällen, in denen infolge zusätzlicher Morbiditäten eine Verkürzung der Lebenserwartung angenommen wird, kann ein solcher Behandlungsverzicht diskutiert werden. Es bleibt festzuhalten, dass die Lokalrezidivrate auch in dieser Subgruppe durch eine Ganzbrustbestrahlung halbiert wird, ohne jedoch Einfluss auf das Gesamtüberleben zu nehmen.

Frau Dr. C. Lössl aus Bern (CH) widmete sich den Aspekten von modernen Zielvolumenskonzepten zur Bestrahlung der Mamma und des regionären Lymphabflusses. Dabei wurde ein Bogen des technischen Fortschritts von 2D auf 3D-Planung bis zur klinischen Implementierung von komplexen Mehrfeldertechniken, wie der intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT), gespannt. In ihren klinischen Einsatzbereichen konnten Fragen zur Nebenwirkungsreduktion, der adaptiven Radiotherapie sowie dem Ersatz operativer Maßnahmen durch radioonkolgische Intervention besondere Berücksichtigung finden.

Zum Thema der Partialbrustbestrahlung gingen Frau Dr. D. Kauer-Dorner (Wien) speziell auf rezente klinische Studienergebnisse nach interstitieller Brachytherapie sowie Herr Priv.-Doz. Dr. G Fastner (Salzburg) auf jene Resultate ein, die mit intraoperativen Techniken wie Elektronen (IOERT) oder 50-kV Röntgenstrahlung (Intrabeam) erreicht wurden. Beide Vorträge kamen zu dem Schluss, dass derzeit Patientinnen in einer speziellen Niedrigrisikokonstellation eine Partialbrustbestrahlung unter dem Hinweis auf ein gering erhöhtes Lokarezidivrisiko angeboten werden kann.

Abschließend berichtete Herr Univ. Prof. Dr. P. Niehoff aus Offenbach (D) über die derzeitigen Trends in der Indikationsfindung zur regionären Lymphabflussbestrahlung des nodalpositiven Mammakarzinoms. Die aktuelle Datenlage legt den Schluss nahe, dass insbesondere unter Berücksichtigung der zunehmend geringer vorgenommenen chirurgischen axillären Exploration eine zusätzliche oder ersatzweise regionäre Bestrahlung im Falle eines positiven Lymphknotenstatus, in Hinblick auf einen möglichen Überlebensvorteil, anzubieten sei. Bei entsprechender Indikation scheint insgesamt die axilläre Bestrahlung im Vergleich zur chirurgischen Behandlung auf Basis der derzeitigen Erkenntnisse für die Patientinnen besser verträglich. Am geringsten wurde bislang die Kombination beider Verfahren toleriert.

 

3. Molekularpathologische Faktoren des Mammakarzinoms – Was ist nach wie vor gültig? Was ist neu?
Prim. Univ.-Prof. Dr. Angelika Reiner

Individualisierte und maßgeschneiderte Therapie des Mammakarzinoms ist heute ein unabdingbarer Ansatz, um einerseits den Therapieerfolg zu verbessern und andererseits das Nebenwirkungsprofil zu reduzieren. Nach wie vor kann dazu ein immunhistochemisches Markerprofil, bestehend aus Östrogen- und Progesteronrezeptor, HER-2 und der Wachstumsparameter Ki67, angewendet werden. Damit kann der molekulare Subtyp des Karzinoms eingeschätzt werden und neben klassischen Parametern die Entscheidung für die adjuvante Therapie gezielter getroffen werden. In einem Referat wurde der IHC4 vorgestellt, mit dem ein verbesserter Risikoscore berechnet werden kann. Für einige Karzinomtypen geben die typischen immunhistochemischen Marker jedoch keine zufriedenstellende Risikoeinschätzung.

Dies betrifft spezielle Charakteristika des HER-2 positiven Karzinoms. Dazu zählen Karzinome mit sogenannter Polysomie 17. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um perizentromere Zugewinne des Chromosoms 17, nicht jedoch um echte Polysomien 17. Damit verbunden findet man häufig eine Coamplifikation von HER-2. In diesen Fällen liegt die HER-2 / Chromosom 17-Ratio im Normbereich. Allerdings weist die Vermehrung der HER-2-Signale auf eine Amplifikation von HER-2 hin. In diesen Fällen ist eine Antikörpertherapie indiziert. Eine weitere Konstellation mit nicht vollständig geklärter klinischer Signifikanz ist die heterogene Expression von HER-2. In diesen Fällen liegen HER-2-positive neben HER-2-negativen Tumorzellklonen. Der HER-2-Befund ist für die unterschiedlichen Klone im Befund anzugeben. Wenn ein Klon mit eindeutiger HER-2-Positivität vorliegt, ist die Antikörpertherapie sinnvoll.

Für triple-negative Mammakarzinome ist die Auswahl der Therapie mit Ausnahme der Wahl einer Chemotherapie bisher nicht maßgeschneidert möglich. Ein pathologischer Parameter, der zukünftig mehr Individualisierung erwarten lässt, sind die tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TIL). Im Rahmen von klinischen Studien wird empfohlen, die stromalen TIL zu evaluieren. Der prozentuale Anteil von Lymphozyten und Plasmazellen im Tumorstroma soll eingeschätzt werden. Im Fall von mindestens 50 % TIL wird von einem lymphozytenprädominanten Mammakarzinom gesprochen. Diese treten gehäuft bei triple-negativen und HER-2-positiven Karzinomen auf. Aus den vorliegenden Studien geht hervor, dass dieser Befund hinsichtlich der adjuvanten und neoadjuvanten Therapie prognostisch günstig ist.

 

4. Onkoplastische und rekonstruktive Chirurgie
Prim. Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller

International, interdisziplinar, interessant, so könnte man die drei Sitzungen zum Thema onkoplastische und rekonstruktive Chirurgie, die am Dienstag vor großem Publikum – und das trotz perfekten Frühsommerwetters – in Alcudia stattfanden, charakterisieren.

Der Anfang war den klassischen onkoplastischen Eingriffen gewidmet, wobei Mehdi Rezai aus Düsseldorf seinen reichen Erfahrungsschatz von über 1000 Fällen präsentierte und die Einteilung der verschiedenen onkoplastischen Eingriffe in Gewebeverschiebung, intramammäre Lappenplastiken, Lappen aus der Umgebung (z. lateraler Thoraxwandlappen) und lokale Lappen zeigte, Michael Bollinger von der Wiener Universitätsklinik die Ergebnisse der prospektiven i top Studie zum Thema Onkoplastik und Sofortrekonstruktion präsentierte und Margarete Rudas in gewohnt kritischer, aber didaktisch hervorragender Weise die Probleme, welche die Pathologie mit onkoplastischen Eingriffen hat, darlegte, vor allem die Schwierigkeiten, die mit dem Elektrokauter koagulierten Schnittränder adäquat beurteilen zu können. Der Beitrag der Radioonkologin Daniela Kauer-Dorner demonstrierte einmal mehr die Bedeutung einer adäquaten Markierung des Tumorbettes, um den Bestrahlungsboost optimal platzieren zu können.

"Hosen herunter" hieß es sprichwörtlich gemeint im zweiten Teils der Tagesprogrammes, in welchem ExpertInnen aus Deutschland und Österreich ihren Zugang zum Thema "Wann verwende ich welches Rekonstruktionsverfahren und vor allem warum?" darlegen mussten und sich den Fragen des kritischen interdisziplinär zusammengesetzten Auditoriums stellen mussten. Im anschließenden "Rekonstruktionsboard" wurden ausgewählte chirurgisch oder rekonstruktiv schwierige Fälle präsentiert, wobei ein ExpertInnengremium und die ZuhörerInnen aufgefordert waren, Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Abgeschlossen wurde dieser Tag, an dem die meisten bis zum Schluss ausharrten, von einem internationalen Panel über Komplikationsmanagement und zwei engagiert, aber freundschaftlich geführten Pro/Contra-Diskussionen über Lipofilling bzw. prophylaktische Mastektomie.

Einmal mehr zeigte sich an diesem sonnigen Dienstag in Mallorca die Stärke dieser maritimen Senologieveranstaltung, Fragestellungen und Probleme interdisziplinär zu diskutieren, voneinander über Fachgrenzen hinweg zu lernen und damit nachhaltigen Nutzen für uns, aber vor allem die uns anvertrauten Patientinnen zu generieren.

Österreichische Gesellschaft für Senologie – Interdisziplinäres Forum für Brustgesundheit
c/o Wiener Medizinische Akademie für Ärztliche Fortbildung und Forschung
Alser Straße 4, A-1090 Wien, Telefon +43-1-405 13 83-20, Fax +43-1-405 13 83-23
Mail: senologie@medacad.org, www.senologie.at