Newsletter der Österreichischen Gesellschaft für Senologie

Sehr geehrte Mitglieder der ÖGS!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

mit dieser Ausgabe des Newsletters der ÖGS möchten wir Sie über unsere Aktivitäten und aktuelle Themen informieren. Sie finden Beiträge zu folgenden Themen:

  1. Bedeutung der Gewebsfixierung von Operationspräparaten und Stanzbiopsien der Mamma
    • Mehrere KollegInnen haben an einem Schulungs- und Informationsvideo mitgearbeitet, das demnächst auf www.vielgesundheit.at abzurufen sein wird. Frau PD Dr. Bago-Horvath hat in dieser Ausgabe des Newsletters die wichtigsten Grundlagen zusammengefasst.
  2. Genexpressionstests: Präzise Einschätzung des Rückfallrisikos macht vorsorgliche Chemotherapie bei Brustkrebs oftmals unnötig
    • Die ÖGS forderte in einer Presseaussendung von 17. Februar die Kostenübernahme durch Krankenkassen und erreichte damit ein großes Echo bei den Medien.
  3. Bericht über den 2. Breast Surgery Day
  4. Bericht über den Maritimen Kongress in Belek, Türkei
  5. Symposium der ÖGS mit Verleihung unserer Preise und Abhaltung der Generalversammlung unserer wissenschaftlichen Gesellschaft (19.12.2015, Wien)
  6. Save the Date für die Jahrestagung 2016 (29.9.-1.10.2016, Salzburg)

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer und erholsamen Urlaub!

Ihre

Prim. Prof. Dr. Angelika Reiner
Präsidentin

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1. Qualität von Bench to Bedside: Die Wichtigkeit der korrekten Gewebefixierung in der Behandlung des Mammakarzinoms

Assoz. Prof. Priv. Doz. Zsuzsanna Bagó-Horváth

Die pathologische Diagnostik inklusive der Bestimmung prognostischer und prädiktiver Faktoren bildet die Grundlage einer effektiven, individualisierten Therapie beim Mammakarzinom. Die wichtigste Voraussetzung für eine genaue Diagnosestellung ist die morphologische und molekulare Integrität des zu untersuchenden Gewebes, die einerseits durch technische Vorgänge, andererseits durch interdisziplinäre organisatorische Maßnahmen aufrechterhalten wird.

Um das Gewebe vor dem Verlust der morphologischen und molekularen Information, der Autolyse, zu schützen, wurden effektive Fixierungsmethoden entwickelt. Am besten hat sich eine primäre Fixierung mittels gepufferter Formaldehydlösung (10%, Formalin) mit nachfolgender Paraffineinbettung bewährt, die die Haltbarkeit der Gewebspräparate über Jahrzehnte sichert.

Um autolytischen Veränderungen vorzubeugen, muss das mittels Stanzbiopsie oder Operation entnommene Präparat nach der Entfernung aus dem Körper schnellstmöglich fixiert werden. Die Zeit zwischen Entnahme (Abtrennung vom Blutkreislauf des Körpers) und Fixierung wird Ischämiezeit genannt; diese Zeit sollte 30 Minuten nicht überschreiten, damit die Degradation von Zellbestandteilen wie Proteinen, RNA und DNA verhindert wird. Um optimale Fixierungsergebnisse zu erzielen, wird etwa die 10-fache Menge an Fixans im Vergleich zum Präparatvolumen verwendet.

Bei der bildgebungsassistierten Biopsie werden die Gewebspartikel unmittelbar nach der Entnahme in bereits vorbereiteten Behältern mit genügend Fixierungsmittel platziert. Nach operativer Entnahme kann das Tumorpräparat entweder sofort fixiert werden oder zuerst einer pathologischen Schnellschnittuntersuchung zugeführt werden. Im Falle einer Schnellschnittuntersuchung sind ein schneller Transport und eine optimierte Zusammenarbeit von Ärzten unterschiedlicher Fachdisziplinen sowie der Pflege- und biomedizinisch-technischen Assistenz gefragt. Diese Abläufe sind standortspezifisch und bedürfen einer stetigen Kontrolle und Optimierung.

Im Weiteren ist sicherzustellen, dass alle Teile des Präparates schnell vom Fixans durchtränkt werden. Dazu werden größere Präparate lamelliert, wobei die räumlichen Zusammenhänge des Präparates gewährt bleiben müssen, um später eine dreidimensionale Rekonstruktion (z.B. Tumorgröße, Resektionsränder) anhand mikroskopischer Schnittpräparate zu gewährleisten.

Die Einhaltung der Fixierungszeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, denn eine Unter- oder Überfixierung kann die Resultate nachfolgender immunhistochemischer und molekularpathologischer Untersuchungen verfälschen. Im Falle von Stanzbiopsien beträgt die optimale Fixierungszeit 6-24 Stunden. Bei größeren Operationspräparaten dauert es in der Regel 24-72 Stunden, bis das gesamte Präparat zur Gänze durchtränkt wird. Eine zu kurze und unzureichende Fixierung resultiert in einer Autolyse des Gewebes, die Zellbestandteile werden unwiederbringlich degradiert. Im Falle einer Überfixierung ist zwar die Morphologie des Gewebes erhalten, gewisse Proteine können aber irreversibel chemisch modifiziert werden. Diese modifizierten Eiweißstrukturen können in weiterer Folge immunhistochemisch von den verwendeten Antikörpern nicht mehr detektiert werden. Somit kann die Bestimmung von prognostischen und prädiktiven Faktoren, wie zum Beispiel Steroidhormonrezeptoren oder HER2, verfälscht werden.

Unter optimierten und kontrollierten Bedingungen bleiben formalinfixierte und paraffin-eingebettete (FFPE) Gewebspräparate für viele Jahrzehnte haltbar und analysierbar.

Da das Formalin als ätzend und umweltschädigend eingestuft wird, gibt es immer wieder Bestrebungen, es durch andere, umweltfreundlichere Alternativen zu ersetzen. Hier könnten alkoholbasierte Fixierungsmittel eine Abhilfe schaffen. Da hochkonzentrierte alkoholische Lösungen zu einer Dehydratation des Gewebes und zum Verlust wichtiger morphologischer Eigenschaften führen können, sind bei der Verwendung solcher alkoholbasierter Fixierlösungen spezielle zusätzliche Apparate notwendig. In den meisten Fällen werden alkoholbasierte Fixanslösungen in Kombination mit Mikrowellen-Geräten verwendet, die die Diffusion des Fixans in das Gewebe beschleunigen. Diese Methoden kommen derzeit nur in wenigen europäischen Pathologie-Instituten zum Einsatz.

Zusammenfassung

Eine korrekte Fixierung bioptisch oder operativ entnommener Gewebspräparate ist eine unverzichtbare Voraussetzung für eine effektive, zielgerichtete und individualisierte Therapie des Mammakarzinoms. Durch die Optimierung von Transportwegen und interdisziplinären Kommunikationsvorgängen kann die Ischämiezeit kurz gehalten werden, was eine rasche und effektive Fixierung gewährleistet. Als Fixans hat sich am besten eine neutral gepufferte Formalinlösung (10%) bewährt, das unter standardisierten Bedingungen eine optimale Morphologie und molekulare Integrität des Gewebes sichert. Außerordentlich wichtig ist die fächerübergreifende Organisation des Fixationsvorganges, denn die pathologische Diagnostik beginnt bereits am Operationstisch.

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2. Genexpressionstests: Präzise Einschätzung des Rückfallrisikos macht vorsorgliche Chemotherapie bei Brustkrebs oftmals unnötig

Prim. Univ.-Prof. Dr. Angelika Reiner

Genexpressionstests sind seit Jahren international anerkannt und ermöglichen eine präzise Bestimmung des Rückfallrisikos nach Brustkrebsoperationen. In Österreich könnten damit jährlich bis zu 1.000 unnötige Chemotherapien verhindert und somit nicht nur Leiden von Patientinnen, sondern auch Kosten für das Gesundheitssystem gespart werden. Die ÖGS forderte daher in ihrer Presseaussendung von 17. Februar die Krankenkassen auf, die Testkosten zu übernehmen.

Das brisante Thema wurde sowohl von der APA als auch von zahlreichen Boulevard-, Qualitäts- und Fachmedien in ganz Österreich aufgegriffen, darunter die Kronenzeitung, Wiener Zeitung, Oberösterreichischen Nachrichten, Vorarlberger Nachrichten und Doktor in Wien. Einen Überblick über die wichtigsten Medienberichte zur ÖGS finden Sie im Pressebereich auf unserer Website.

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3. 2nd Vienna Breast Surgery Day: Von den Besten lernen

Univ. Prof. Dr. Florian Fitzal, FEBS

Selbstwertgefühl. Weiblichkeit. Schönheit. Der Brusterhalt nach einer Krebsoperation ist für viele Frauen ein wesentliches Thema, denn ein Drittel aller Betroffenen läuft Gefahr, die Brust zu verlieren. Die onkoplastische Chirurgie gewinnt daher in der Krebstherapie zunehmend an Bedeutung. Das zweite große Update zum Thema, der 2nd Vienna Breast Surgery Day, war mit 84 BesucherInnen und den hochkarätigen Präsentationen internationaler ExpertInnen ein voller Erfolg.

Im Lauf der letzten Jahre ist es zu substanziellen Fortschritten auf dem Gebiet der Onkoplastik gekommen. Die Entwicklung neuer Techniken und die Verfeinerung bewährter Methoden tragen wesentlich zur Verbesserung der medizinischen aber auch der kosmetischen Ergebnisse bei. Dabei ist es entscheidend, dass der/die ChirurgIn die entsprechenden Verfahren gut beherrscht, die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Eingriffe kennt und kompetent abschätzen kann, welche Technik in welchem Fall die beste ist.

Überblick über die neuesten Entwicklungen

Der 2nd Vienna Breast Surgery Day, der am 17. März diesen Jahres an der MedUni Wien stattfand, hatte das Ziel, den Austausch über die neuesten Entwicklungen und Techniken in der onkoplastischen Chirurgie zu fördern. Zu dieser Tagung luden die Organisatoren, Michael Gnant, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien und des AKH Wien und stellvertretender Leiter des Comprehensive Cancer Center (CCC) Vienna, und Florian Fitzal, Leiter des Brustgesundheitszentrums des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz und Mitglied des Comprehensive Cancer Center (CCC) Vienna, KollegInnen aus der ganzen Welt ein. Im Laufe des dichten Programms gaben nationale und internationale ExpertInnen wie die Grand Dame der Brustchirurgie, Moncia Morrow, Leiterin der Brustklinik des Memorial Sloan Kettering Cancer Centers in New York, ihr Wissen in Form von Vorträgen und Operationsvideos an die 84 TeilnehmerInnen weiter. Am Ende der Veranstaltung wurde der „Best Video Award" für den Film mit der innovativsten Operationstechnik vergeben. Der Gewinner war der japanische Brustchirurg Hisamitsu Zaha. Der 2nd Vienna Breast Surgery Day wurde in Zusammenarbeit mit dem Comprehensive Cancer Center Vienna und im Vorfeld der 14th St. Gallen Breast Cancer Conference abgehalten.

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4. Bericht über den Maritimen Kongress in Belek, Türkei

Univ.-Prof. Dr. Christian Singer, MPH

Der 14. Maritime Kongress der ÖGS wurde auf vielfachen Wunsch nun schon zum zweiten Mal im Hotel Calista in Belek abgehalten. Auch dieses Jahr war das Programm dicht gepackt mit Vorträgen und Workshops zu allen Aspekten der Senologie. Erfreulich war wieder der Trend hin zu einer interdisziplinären Veranstaltung, die durch Beiträge und Referenten aus allen senologischen Fachdisziplinen aufgewertet wurde. Das Programm reichte von der Brustkrebsfrüherkennung über neoadjuvante Therapiekonzepte, onkoplastische Operationen bis hin zu Knochengesundheit, Fertilitätsaspekten und interdiszplinären Tumorboards, die von anwesenden Teilnehmern allesamt sehr gut angenommen wurden.

Neu in diesem Jahr war ein Psychoonkologie-Workshop, der unerwartet großen Anklang gefunden hat, aber auch Kamingespräche mit Frau Dr. Traun-Vogt, die auch auf die Wünsche und Bedürfnisse von onkologisch Tätigen eingegangen ist.

Besonders erfreulich war die Teilnahme vieler namhafter nationaler und internationaler Experten wie beispielsweise Gunter von Minckwitz, Michael Untch und Andree Faridi, die gemeinsam mit österreichischen Experten für Fragen und Diskussionen auch außerhalb des Veranstaltungssaals zur Verfügung standen.

Wie immer war der Maritime Kongress eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Interaktion und interdisziplinärer Verständigung in einem angenehmen und von der klinischen Routine ungestörten Ambiente.

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5. Symposium der ÖGS mit Verleihung unserer Preise und Abhaltung der Generalversammlung unserer wissenschaftlichen Gesellschaft am 19.12.2015 in Wien

Unsere Gesellschaft veranstaltet heuer keinen Kongress im Herbst. Da im Vorjahr die Teilnahme an unserem Symposium im Dezember sehr groß war und das Symposium großes Interesse gefunden hat, wollen wir dieses Vorhaben weiterführen. Wir laden Sie daher schon jetzt dazu ein und ersuchen Sie, den Termin vorzumerken.

Samstag, 19.12.2015, im Billrothhaus in Wien

Wir werden ein interessantes Programm zusammenstellen, in guter Tradition unsere Preise verleihen und die Generalversammlung unserer Gesellschaft abhalten.

Der Roche Austria Publizistikpreis 2015 ist auf der Homepage unserer Gesellschaft ausgeschrieben. Die Einreichfrist ging mit 30.6.2015 zu Ende.

Der wissenschaftliche Förderpreis wird heuer dankenswerter Weise erstmals von der Firma TEVA gesponsert werden. Die Ausschreibung ist in Vorbereitung.

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6. Save the Date: Jahrestagung 2016 von 29.9. bis 1.10.2016 in Salzburg

2016 werden wir unsere Jahrestagung wieder gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie abhalten. Die Feedbacks in beiden Gesellschaften über die gemeinsame Tagung in Lugano waren sehr positiv und führten zu einer Erweiterung des Blicks. Da wir im Vorjahr in der Schweiz eingeladen waren, sind dieses Mal wir an der Reihe, eine Einladung auszusprechen. Herr PD Dr. Roland Reitsamer vom Brustgesundheitszentrum Salzburg wird gemeinsam mit Herrn PD Dr. Günther Gruber von der Radiotherapie in Zürich für die Schweizerische Gesellschaft die Kongresspräsidentschaft übernehmen. Wir ersuchen Sie, auch diesen Termin schon vorzumerken.

Donnerstag, 29. September 2016, bis Samstag, 01. Oktober 2016, in Salzburg

Die Vorbereitungen haben schon begonnen und wir bedanken uns schon jetzt bei beiden Kollegen für ihre Bereitschaft, diese Tagung auszurichten.

Österreichische Gesellschaft für Senologie – Interdisziplinäres Forum für Brustgesundheit
c/o Wiener Medizinische Akademie für Ärztliche Fortbildung und Forschung
Alser Straße 4, A-1090 Wien, Telefon +43-1-405 13 83-20, Fax +43-1-405 13 83-23
Mail: senologie@medacad.org, www.senologie.at