Newsletter der Österreichischen Gesellschaft für Senologie

Sehr geehrte Mitglieder der ÖGS!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Im aktuellen Newsletter der ÖGS möchten wir Sie über unsere Aktivitäten des vergangenen Jahres und aktuelle Themen informieren. Darüber hinaus geben wir einen Ausblick auf das kommende Jahr.

Wir haben schon zu Jahresbeginn eine Presseaussendung über den Stellenwert von Genexpressionstests zur prognostischen Evaluierung des Mammakarzinoms ausgesendet. Besonders die Möglichkeit, damit adjuvante Chemotherapien zu reduzieren und Patientinnen Nebenwirkungen zu ersparen, hat ein lange andauerndes und viel beachtetes Echo in den Medien gefunden.

Im Frühjahr konnten wir unter der Organisation von Prof. Singer am Maritimen Workshop in Belek in der Türkei teilnehmen. Dieser interdisziplinäre Kongress in einer entspannten und sehr angenehmen Umgebung war auch dieses Mal eine hervorragende Möglichkeit, Informationen und Gedanken auszutauschen und interdisziplinäre Kontakte zu pflegen.

Im Dezember 2015 haben wir anstelle eines Jahreskongresses ein wissenschaftliches Symposium mit der Generalversammlung in Wien abgehalten. Eines der Themen betraf den Dauerbrenner, das Mammographiescreening. Wir haben einige kritische Aspekte behandelt und möchten Ihnen die wesentlichen Ergebnisse in Form von Abstracts zur Verfügung stellen.

Im Rahmen des Symposiums wurden auch unser Wissenschaftspreis und Publizistikpreis verliehen: Der Teva Ratiopharm Förderungspreis für herausragende Forschung auf dem Gebiet der Brustgesundheit ging an Regina Promberger-Ott und Claudio Spick, den Roche Austria Publizistikpreis für herausragende Brustkrebsberichterstattung erhielt Barbara Rohrhofer von den Oberösterreichischen Nachrichten.

Mittlerweile sind wir unter der Kongresspräsidentschaft von Prof. Reitsamer mit der Planung der kommenden Jahrestagung 2016 beschäftigt. Sie wird wieder gemeinsam mit der Schweizer Gesellschaft abgehalten werden. Wir dürfen dieses Mal als Gastgeber fungieren und freuen uns, Sie alle nach Salzburg einzuladen.

Zum Thema des familiären Mammakarzinoms wurde in der Wiener Klinischen Wochenschrift eine aktualisierte Fassung der klinisch praktischen Guidelines unter der Leitung von Prof. Singer publiziert..

Mit herzlichen kollegialen Grüßen und den besten Wünschen für eine erfolgreiches und gesundes Jahr 2016!

Ihre

Prim. Prof. Dr. Angelika Reiner
Präsidentin

--

Inhalt

  1. Berichte vom wissenschaftlichen Symposium der ÖGS am 19. Dezember 2015 über Aspekte des Mammographiescreenings
    • Kontralaterale Mastektomie und Mastektomie bei B3 Läsionen? (R. Koller, S. Abayev)
    • Tomosynthese und/oder MRT – entdecken wir mehr Karzinome? (T. Helbich)
    • Overdiagnosis im Mammographie-Screening - neu betrachtet (M. Stierer)
  2. Verleihung des Teva Ratiopharm Förderpreises für herausragende Forschung an Regina Promberger-Ott und Claudio Spick sowie des Roche Austria Publizistikpreis 2015 für herausragende Brustkrebs-Berichterstattung an Barbara Rohrhofer
  3. Einladung zur Gemeinsamen Jahrestagung mit der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie von 29. September bis 1. Oktober 2016 in Salzburg
  4. Aktualisierung der klinisch praktischen Guidelines zur Prävention und frühen Diagnose von familiärem Brust- und Eierstockkrebs

--

1. Berichte vom wissenschaftlichen Symposium der ÖGS am 19. Dezember 2015 über Aspekte des Mammographiescreenings

Kontralaterale Mastektomie und Mastektomie bei B3 Läsionen?

Prim. Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller, Dr. Sara Abayev
(Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie und Brustgesundheitszentrum Wilhelminenspital, Wien)

BrustkrebsexpertInnen in Österreich werden zunehmend mit einem vornehmlich aus den USA kommenden und dort von einigen "Celebrities" mitgetragenen Trend konfrontiert: Einerseits dem Wunsch vieler Frauen mit einseitigem Brustkrebs nach Entfernung auch der kontralateralen, eigentlich gesunden Brust, andererseits werden vermehrt sogenannte B3 Läsionen, also primär gutartige Veränderungen mit unsicherem Potenzial entdeckt, die bei entsprechender Ausdehnung auch die Frage nach einer Mastektomie aufkommen lassen können.

Gefördert werden diese Wünsche auch durch die Entwicklung der Mammarekonstruktionstechniken, die Patientinnen mitunter eine verbesserte Kosmesis nach Brustentfernung und Sofortrekonstruktion im Vergleich zur autochthonen Brust offeriert.

Bezüglich der kontralateralen prophylaktischen Mastektomie (CPM) zeigten die stets retrospektiv angelegten Studien zunächst naturgemäß eine geringere Inzidenz von kontralateralen Tumoren und verbesserte Überlebensraten für einzelne Patientinnengruppen. Herrington et al. (2005) zeigten einen signifikanten Unterschied in der Überlebensrate zwischen Frauen mit und ohne CPM, der allerdings größer war als der Unterschied in der Inzidenz kontralateraler Tumore, sodass diese Ergebnisse von späteren AutorInnen in Frage gestellt wurden. Ebenso konnten Boughey et al. (2010) eine 95% Risikoreduktion für ein kontralaterales Mammakarzinom und eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens finden - allerdings handelte es sich nicht um brustkrebsspezifische Überlebensraten, und der Unterschied im Gesamtüberleben von 9% war größer als die kontralaterale Brustkrebsinzidenz mit 8,1%.

Eine differenzierte systematische Aufarbeitung der Daten in Metaanalysen (Fayanju 2014, Pesce 2014) zeigte, dass die CPM nur bei Frauen mit familiärem Risiko als sinnvolle Maßnahme zu sehen ist, wobei auch da die Indikation im Einzelfall streng zu stellen ist - konkret, wenn das Risiko, am Indikatorkarzinom zu versterben, größer ist, als das eines kontralateralen metachronen Tumors.

Leitlinien für die Behandlung von B3 Läsionen sind zwar vorhanden, allerdings aufgrund der Heterogenität dieser Veränderungen ein Thema, das einer ständigen Evaluation unterworfen werden muss. Da die Leitlinien für viele B3 Läsionen eine Entfernung vorsehen (atypische duktale Hyperplasie, pleomorphe oder lobuläre intraepitheliale Neoplasie mit Nekrosen, atypische Milchgangspapillome), wurden auch an unserem Zentrum bei multizentischem Auftreten von B3 Läsionen schon Mastektomien mit synchronem Aufbau der Brüste erfolgreich durchgeführt. Die Entscheidung zu einem derartigen Vorgehen ergibt sich aber aus der Zusammenschau vom Wunsch und Beschwerdebild der Betroffenen, dem radiologischen Bild und dem histologischen Bild und sollte im Tumorboard getroffen werden.

Nicht zu unterschätzen sind allerdings mögliche rechtliche Konsequenzen, die in allen diesen Fällen bei Komplikationen auf die BehandlerInnen zukommen, da es sich ja oft um prophylaktische Eingriffe mit grenzwertiger medizinischer Indikation handelt.

 

Tomosynthese und/oder MRT – entdecken wir mehr Karzinome?

Univ. Prof. Dr. Thomas Helbich
(Univ. Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, Medizinische Universität Wien)

Das Brustkarzinom ist das am häufigsten entdeckte Karzinom bei Frauen weltweit. Die Mammographie ist eine akzeptierte und empfohlene Methode zur Brustkrebsfrüherkennung trotz ihrer bekannten Limitationen. So können 15 bis 30% der Karzinome nicht mittels Mammographie entdeckt werden. Einer der Faktoren ist, dass Karzinome durch das überlagernde Gewebe nicht gesehen werden bzw. Karzinome durch den fehlenden Weichteilkontrast nicht dargestellt werden können. Demnach ist die Entwicklung von neuen Methoden notwendig. Eine dieser Methoden ist die Tomosynthese, bei der von der Brust dosisschonende Schichtbilder angefertigt werden. Rezente Studien zeigen, dass mit der Tomosynthese bis zu 40% zusätzliche Karzinome entdeckt werden können, die bis dato der Mammographie verborgen blieben. Eine ähnlich hohe Sensitivität weist die kontrastmittelverstärkte MRT auf. In Anbetracht dieser Zahlen wurde nun die Tomosynthese in den USA als Screeningmethode eingeführt. Ähnliches wird für die kontrastmittelverstärkte MRT angedacht, wobei diese Methode bereits als DAS Verfahren bei Frauen mit Hochrisikoanamnese angesehen wird.

 

Overdiagnosis im Mammographiescreening - neu betrachtet

Prof. Dr. Michael Stierer

Die "Overdiagnosis" (OD) und die daraus resultierende "Overtherapy" stellt einen derzeit unvermeidlichen negativen Nebeneffekt des Mammographie-Screenings dar. Darunter versteht man die Diagnose subklinischer Karzinome durch Screening, die während der Lebenszeit der Frau nicht klinisch manifest geworden wären oder den Tod verursacht hätten. Es handelt sich dabei um den Überschuss der im Screening detektierten Karzinome im Vergleich zur Karzinominzidenz einer ungescreenten, in Bezug auf Alter, Brustkrebsrisikofaktoren und Beobachtungszeitraum vergleichbaren Population. Für die Existenz dieses Phänomens spricht vor allem der massive Anstieg der Inzidenz des intraduktalen Karzinoms ohne deutlichen Rückgang invasiver Frühstadien und fortgeschrittener Karzinome in vielen Statistiken.

Aufgrund der sehr komplexen Berechnungsmethodik mit sehr unterschiedlichen, theoretischen Ansätzen schwanken die Literaturangaben zum Ausmaß der "OD" zwischen 1% und 57% ganz beträchtlich. Nach objektiven Kriterien erscheint eine Größenordnung von 8%-19% realistisch. Dementsprechend gibt es auch bei der Angabe der durch Frühdiagnose "geretteten" Frauen zu den "überdiagnostizierten" Frauen ganz heterogene Daten von 2:1 bis 1:10. Nach Literaturberichten werden nach entsprechender Aufklärung von betroffenen Frauen jedenfalls bis zu 30% "OD" ohne Screeningverweigerung toleriert.

Da insgesamt der Nutzen den Schaden beim Mammographiescreening überwiegt, müssen bis zur Entwicklung prädiktiver Marker zur Identifikation biologisch aggressiver Tumore mit Invasionspotential "OD" in Kauf genommen werden. Ein Pilotprojekt des National Cancer Institute zur Klärung dieser Frage ist bereits installiert.

2. Verleihung des Teva Ratiopharm Förderpreises für herausragende Forschung an Regina Promberger-Ott und Claudio Spick sowie des Roche Austria Publizistikpreis 2015 für herausragende Brustkrebs-Berichterstattung an Barbara Rohrhofer

Im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums am 19. Dezember 2015 verlieh die ÖGS ihre jährlichen Preise: Der Teva Ratiopharm Förderungspreis für herausragende Forschung auf dem Gebiet der Brustgesundheit ging an Regina Promberger-Ott und Claudio Spick, den Roche Austria Publizistikpreis für herausragende Brustkrebsberichterstattung erhielt Barbara Rohrhofer (OÖN).

Priv.-Doz. Dr.med.univ. et science med. Regina Promberger-Ott untersuchte in ihrer Arbeit "Postoperative CMF does not ameliorate poor outcomes in women with residual invasive breast cancer after neoadjuvant epirubicin / docetaxel chemotherapy" Mammakarzinompatientinnen mit primär fortgeschrittener Erkrankung, die häufig noch vor einer Operation chemotherapeutisch behandelt werden (neoadjuvante Chemotherapie). Unklar war bisher die Frage, ob solche Patientinnen nach dieser Chemotherapie und der danach erfolgten Brustoperation von einer weiteren postoperativen Chemotherapie profitieren könnten. Die Preisträgerin konnte in ihrer Studie zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Damit kann in Zukunft Patientinnen eine weitere unnötige Chemotherapie erspart werden.

Die preisgekrönte Arbeit von Dr. Claudio Spick ist ein systematischer Literaturreview. MRI-Untersuchungen der Brust werden meist in problematischen Fällen zur Verbesserung der Treffsicherheit bildgebender Untersuchungen eingesetzt. In der vorgelegten Arbeit wird untersucht, ob eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung die klinische Entscheidung über das weitere Vorgehen unterstützen kann. Die zusätzliche second-look Ultraschalluntersuchung bringt vor allem in Fällen von Tumorknoten zusätzliche Informationen zur MR.

Barbara Rohrhofer, Ressortleiterin Gesundheit/Leben bei den Oberösterreichischen Nachrichten, setzt sich in ihrer journalistischen Tätigkeit intensiv mit dem Thema Brustkrebs auseinander. So verfasste sie im vergangenen Jahr eine Serie von Artikeln zu Themen wie "Acht von zehn Frauen werden wieder gesund", "Neue, sanftere Wege in der Therapie" und "Neue Wege zur Brustkrebsvorsorge". Dabei verstand sie es, mit dem im Raum Linz äußerst kompetenten medizinischen Team zur Behandlung von Brustkrebs zusammenzuarbeiten und den Fokus in der öffentlichen Wahrnehmung von Brustkrebs mit positiven lebensbejahenden Aspekten zu besetzen.

Weitere Informationen zu allen PreisträgerInnen finden Sie in den aktuellen Presseaussendungen der ÖGS unter http://www.senologie.at/presse/presseinformationen

3. Einladung zur Gemeinsamen Jahrestagung mit der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie von 29. September bis 1. Oktober 2016 in Salzburg

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Namen des Vorstandes beider Gesellschaften dürfen wir Sie sehr herzlich zur Gemeinsamen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Senologie und der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie (Joint Swiss Austrian Society of Senology – Salzburg 2016) einladen, die von 29. September bis 1. Oktober 2016 in Salzburg stattfinden wird.

An diesen beiden Tagen werden wieder die wichtigsten und neuesten Entwicklungen der verschiedenen Disziplinen unserer Gesellschaften behandelt und von Expertinnen und Experten in Vorträgen, Diskussionsrunden, sowie Pro- und Contra Sitzungen präsentiert und diskutiert. Auch junge Kolleginnen und Kollegen sollen motiviert werden mit Abstracts aktiv an der Veranstaltung teilzunehmen.

Nützen Sie die Gelegenheit, in der multidisziplinären Kommunikation mit den Österreichischen und Schweizer senologischen Kollegen aktuelle Standards, Innovationen und Zukunftsperspektiven in Diagnostik und Therapie von Brusterkrankungen zu diskutieren, Ideen auszutauschen, Anregungen zu erhalten und Kontakte zu knüpfen oder zu erneuern und zu vertiefen.

Wir planen eine lebendige, informative und interaktive Tagung, bei der auch der gesellschaftliche Aspekt nicht zu kurz kommen sollte.

Salzburg bietet auch im Herbst zu Mozarts 260. Geburtsjahr eine Reihe von kulturellen oder kulinarischen Möglichkeiten, sich nach einem langen Kongresstag in einem wundervollen Ambiente zu regenerieren und den Tag ausklingen zu lassen.

Univ.-Prof. Dr. Roland Reitsamer und PD Dr. Christoph Tausch
Kongresspräsidenten

Prim. Univ.-Prof. Dr. Angelika Reiner
Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Senologie

PD Dr. Günther Gruber
Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie

4. Aktualisierung der klinisch praktischen Guidelines zur Prävention und frühen Diagnose von familiärem Brust- und Eierstockkrebs

Sie finden die Publikation in der Wiener Klinischen Wochenschrift 2015 Dec;127(23-24):981-6.

Die aktuellen Indikationstellungen für eine genetische Testung finden Sie in der zitierten Tabelle:

Table 1 Indications for molecular analysis of BRCA 1 and 2

One case of breast cancer before age 35

Two cases of breast cancer, at least one of these before age 50*

Three cases of breast cancer before age 60*

One case of breast cancer and one case of ovarian cancer

Two cases of ovarian cancer

One case of male breast cancer

Patient with TNBC before age 60; if a therapeutic consequence is considered in TNBC patients irrespective of age

Patient with epithelial ovarian cancer**

Presence of BRCA1 or 2 mutation in the family

*Bilateral breast cancer counts for two cases of breast cancer
**This recommendation is also pertinent to patients with cancer of the fallopiantube and primary peritoneal cancer

Österreichische Gesellschaft für Senologie – Interdisziplinäres Forum für Brustgesundheit
c/o Wiener Medizinische Akademie für Ärztliche Fortbildung und Forschung
Alser Straße 4, A-1090 Wien, Telefon +43-1-405 13 83-20, Fax +43-1-405 13 83-23
Mail: senologie@medacad.org, www.senologie.at